Sommertour der "Jugendgruppe" Juli 2007
Na ja - also ehrlich gesagt: Jugendgruppe ist dann doch nicht so ganz richtig, eher Mini-Jugendgruppe mit Familienanschluss... In den Gipfelbüchern steht jedenfalls JDAV - Minigruppe Gummersbach, und wenn ihr mal auf den Glödis, Hochschober, Petzeck oder Keeskopf kommt, könnt ihr nachlesen.
Wir hatten uns viel vorgenommen: Fünf 3000er in der Schobergruppe sollten es sein und auf drei Hütten würden wir jeweils 2 Nächte verbringen. Aber trotz eifriger Werbung und Ausschreibung ließen Anmeldungen auf sich warten. Es gab zwar Interessenten, die dann aus unterschiedlichen Gründen aber doch nicht mitfahren konnten. So machten wir uns zu sechst in 2 Autos auf den Weg nach Osttirol: Familie Koll und Simon Spenrath.
Anfang der Woche hatte es kräftig geschneit (Schneefallgrenze 1700m) und so wurde außer Steigeisen so ziemlich alles Sicherungsgerät eingepackt, was der Kollsche Dachboden hergab. Da auch Tagesproviant für eine Woche mit musste (Maras Rucksack enthielt nur Murmel-kuscheltier, Buch, Trinkflasche und Brotdose), hatten wir 2 Erwachsenen echte Packeselfunktion. Auch die Jungs stöhnten unter gewichtigen Rucksäcken und freuten sich auf Gipfelstürme ohne Gepäck.
Der erste Abend begann bereits mit einem kleinen Abenteuer: Wir hatten uns mit der Anreise Zeit gelassen und den Weg zum Parkplatz unterschätzt. Ungefähr eine halbe Stunde bevor wir die Lienzer Hütte erreichten wurde es dunkel und wir mussten den Rest des Wegs im Stirnlampenschein zurücklegen. Rechtzeitig zur Hüttenruhe trafen wir ein.
Die Eingehtour, der Weg zur Wangenitzseehütte über die Kreuzseescharte war ein spannender Steig, teilweise drahtseilversichert und manchmal etwas ausgesetzt. Hatten wir morgens noch leichten Schneefall gehabt, kam doch bald die Sonne hervor und sollte uns bis zu unserer Abreise nicht mehr verlassen. Während wir "Jugendlichen" (12, 14, 17, 40) auf die 2800 m hohe Scharte schnauften um dort eine Schneeballschlacht zu machen und den besten Schneeballweitwerfer zu ermitteln, spazierte der Familienteil (Mara, 8 mit Papa, 45) gemütlich über den Zinkeweg zur Wangenitzseehütte. Zum abendlichen Seerundgang mit kleinem Klettersteig hatte irgendwie keiner mehr Lust. Lieber Monopoly spielen, was im Miniformat, sehr bergtauglich, noch in Joshuas Rucksack gepasst hatte.
Am nächsten Morgen hieß es dann früh raus (7 Uhr ist für Jugendliche eigentlich mitten in der Nacht!) und ab auf den Petzeck 3283m, den höchsten Berg der Schobergruppe. Trotz des reichlichen Schnees, kein Problem für uns. Mara schaffte es sogar bis auf den "Vorgipfel", 100m unterhalb des Kreuzes. Der Abstieg über 2 Schneefelder war eher eine herrliche Abfahrt! Ein abendlicher Seerundgang, mit Hängebrücke und Kletterstellen beschloss den schönen Tag.
Der Keeskopf 3081m wurde am nächsten Tag, auf dem Rückweg zur Lienzer Hütte, von der kleinsten Besetzung bestiegen (Simon und ich). Abends hieß es dann Abschied nehmen vom werktätigen (Walter), verletzten (Paul) und kleinsten (Mara) Gruppenmitglied, die die Heimreise antraten. Für uns drei Übrige stand am folgenden Tag bei herrlichstem Sonnenschein der Glödis 3206m auf dem Programm. Mit 1200 Höhenmetern die längste Tour, inklusive Klettersteig. Obwohl viele Einheimische und mehrere Gruppen unterwegs waren, war dies für uns der schönste Gipfel. Er wird eben nicht umsonst das Matterhorn der Schobergruppe genannt. Nach dem Gipfelsturm mussten wir erst mal die Füße im Bach kühlen und eine lange Planschpause einlegen.
Etwas erschöpft beschlossen wir am nächsten Tag nur zur Hochschoberhütte zu wechseln und uns die Prijakte fürs nächste Jahr aufzuheben. (Obwohl Simon noch genug Power hatte...) Der Übergang, das Leibniztörl, hielt einen wundervollen Rastplatz für uns bereit: den Gartlsee mit Millionen von Felsbrocken, die mit sonorem "Plonk" oder hellem "Pflatsch", je nach Steinform und Stoßart des Werfers im See verschwanden. Man sollte die magische Anziehungskraft die solche Beschäftigung auf 12 und 17- jährige Jungs hat nicht unterschätzen. Manchmal dauert es Stunden…
Da es immer heißer wurde und die nette Bewirtung von Dominik und Harry auf der Hochschoberhütte uns sicher arm gemacht hätte, beschlossen wir noch ein Bad im Bach zunehmen. Das 6° kalte Wasser ließ uns fast die Beine absterben, doch sogar ein Vollbad war nach etwas Eingewöhnungszeit drin. Jedoch nicht ganz freiwillig. Abends gaben wir uns dann vollends den lukullischen Künsten Harrys hin - dem begnadetsten Hüttenkoch aller Zeiten! Und dem nettesten!
Gut gestärkt und ausgeruht war der Hochschober 3240m am letzten Tag ein Kinderspiel. In Rekordzeit (2:45) standen wir am Gipfelkreuz und kitzelten unseren Entdeckergeist mit einer Überschreitung und einer neuen Abstiegsroute... Auf dem Weg zurück zur Hütte sahen wir dann endlich auch noch ein Murmeltier, was den Urlaub vollends abrundete.
Schade, dass Ihr nicht auch mit ward! Diese tolle Tour hätte ich noch mehr Jungs und Mädels gegönnt, aber - nächstes Jahr fahren wir bestimmt wieder, und wer jetzt Lust bekommen hat mitzukommen, melde sich rechtzeitig bei mir, damit ihr Mitspracherecht bei der Planung habt! Wir machen das, worauf wir Spaß haben, ob Gipfel, Klettersteige, Gletscher oder Schluchten: Hauptsache eine Woche in die Alpen und auf Hütten!
Julia Koll