Kinder, Kinder, war das ein Wochenende
Endlich Freitag: Um 15.00 Uhr wollten wir uns an der Sektion treffen, um gemeinsam (10 Kinder, 4 Leiter) die Teufelsley im Ahrtal zu erkunden und uns die Zeit mit Klettern und Seilspielen zu vertreiben. Um 16.00 Uhr hatten wir dann alle Kinder, Taschen, Schlafsäcke, Kuscheltiere,usw. Im Bus verstaut und es konnte losgehen!
Busfahren ist toll! Vor allem wenn man, wie Jan (9) und Leon (9), vorne sitzen darf und echt denn Überblick hat, oder eine Aufgabe wie: Schrankenwärter. Außerdem ist soo viel Platz! An der Hütte angekommen wurden erst mal Schlafplätze ausgesucht: „Ich schlaf in dem Bett um die Ecke, was alleine steht, oben!“ „Die Mara schläft neben mir!“...Jeder fand schließlich sein persönliches Plätzchen und die Leiter durften sich die Restplätze aussuchen.
Dann gings zur Klo – („Igitt, da geh ich nicht drauf!“) und Waschbeckenbesichtigung („Bääh, das Wasser ist ja ganz braun! e ) was einige Kinder sehr gewöhnungsbedürftig fanden... Ein Plumpsklo ist eben ein Plumpsklo, auch wenn es sauber ist. Der Vorschlag gegen den Gestank einfach die Tür aufstehen zu lassen und laut zu singen, damit die anderen wissen das besetzt ist, wurde mit befremden aufgenommen,(Meint die das ernst?) und einige beschlossen sich lieber in den Wald zu schlagen. Auch das gute Vorbild sich mit Regenwasser zu waschen fand wenig Nachahmer. Einzig Zähneputzen war mit Trinkwasser aus dem Kanister erlaubt, aber selbst das wurde nicht von allen Kindern angenommen. Sebastian (12) erwies sich als Hüttenkenner und wies uns in Gashahnbetrieb und Regenwassernutzung ein.
Endlich trafen auch unsere Jugendleiter Olessia und Simon, die erst später abfahren konnten, samt der restlichen Familie Koll ein. Als erstes bauten wir eine Seilbahn und hängten einige Seile in die Bäume des wunderschönen Hüttengeländes, die die Kinder sofort mit viel Spaß nutzten. Man mußte sich gegenseitig helfen den Baum hinauf zu kommen, sich mutig auf den Seilbahnsitz (einen wackeligen Stock) stellen oder setzen, der von anderen festgehalten wurde und dann gings huii, ab die Post, bis zum Ende der Wiese. Teamwork, Gleichgewicht, Seilvertrauen, Klettertechnik – was hier alles so ganz nebenbei geübt wurde, war schon beachtlich und die Leiter bekamen einen guten Eindruck über Selbstvertrauen, Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Körperbewußtsein jedes einzelnen Kindes.
Am Lagerfeuer gab es danach Würstchen, Brötchen und Rohkost. So gestärkt beschlossen wir um 22.00 Uhr zu einer kleinen Nachtwanderung aufzubrechen. Im Stockdunkeln, ohne Lampen, ging es am Seil den Berg hoch zur Teufelsley. Am Weg liegende „tote Rehe“ entpuppten sich bei näherem betasten als bemooste Wurzeln und an die Trittsicherheit wurde in dem steilen steinigen Gelände hohe Anforderungen gestellt.
Nachdem die Teufelsley umrundet und der Felsen auf allen Seiten ausgiebig betastet war, wagten wir sogar eine Überschreitung: Simon suchte einen spannenden Weg und mit gegenseitiger Hilfe gelang es allen. Im Dunkeln „Klettern“! Das hatte schon einen ganz besonderen Reiz. Da war der Weg durch die Felsen zurück zum Feuer ein Kinderspiel. Einzige „Verletzung“: Eine Brennessel am Wegesrand sorgte bei Mara (8) für Unbefindlichkeit. Eine weitere schöne Erfahrung für die Kinder war, wie gut man im dunkeln ohne Lampe s ehen kann und wieviel Sterne man im Wald sieht – viel mehr als in der Stadt.
Leider regnete es den Rest der Nacht wie aus Eimern,so daß wir am nächsten Morgen noch nicht an den Felsen konnten. Die Seilbahn wurde nochmal genutzt, ein neues Balancierseil gespannt und die in den Bäumen hängenden Seile zum hoch und runterprusiken genutzt. Simon hatte ja abends am Feuer mit Allen Knoten geübt und so konnte Olessia nun das Prusiken vermitteln, was die Kinder sehr ausdauernd nutzten. Endlich war es trocken und wir konnten Seile am Fels einrichten und klettern! Die Kinder die noch nie draußen geklettert waren, fanden schnell Spaß am Fels und konnten sich nach und nach auch an die Höhe gewöhnen. Auch das Abgeseilt werden fühlt sich draußen anders an als in der Halle. Aber es gelang allen wieder heil unten anzukommen.
Leider zwang uns ein Schauer zu einer Pause. Zum Trost hauten wir uns eine Riesenportion Spaghetti Bolognese rein, die sich alle verdient hatten. Die Seile ließen wir hängen und als die Sonne wieder rauskam, und Fels und Seile schnell trocknete konnten die unermüdlichen Kletterer weitermachen. Spät nachmittags waren dann alle müde und bedient und kehrten zur Hütte zurück. Schnell war das Kuchenblech geputzt und wer noch Hunger hatte konnte noch Müsli, Joghurt und Rohkost verdrücken. Gemütlich am Lagerfeuer sitzend.
Die Nachtwanderung hatte auch die „Großen“ neugierig gemacht und so ging es nochmals mit einer kleinen Gruppe auf Nachtentdeckungsreise. Diesmal war es trotz Sternenhimmel so stockdunkelfinster das auf dem Rückweg doch eine Stirnlampe zum Einsatz kam.
Am Sonntag richteten wir eine „Gipfelrundtour“ und ein Kamintoprope ein, so daß die Kinder das Kaminklettern üben und einmal den Gipfel der Teufelsley erklimmen konnten. Gut gesichert ging es über den Grat nach oben und dann durfte man über den Überhang alleine abseilen! Das erforderte viel Zeit, da sich der ein oder andere dann doch nicht alleine traute und Simon, der keinen festen Sicherungsplatz zugewiesen bekommen hatte, immer wieder schnell hoch und dann parallel mit einem Kind gemeinsam abseilen durfte. Ich glaube er hat die Runde bestimmt 7 oder 8 mal gedreht...
Vielen Dank an dieser Stelle an Simon und Olessia, die mit so viel Freude und Sicherheit die Kinder betreut und begleitet haben! Auch Sebastian und Paul ein herzliches Dankeschön für Eure zuverlässige Sicherungsarbeit – hier wachsen zwei zukünftige Jugendleiter nach!
Nach diesem spannenden Vormittag hatten wir uns die heiße Suppe wiedermal verdient und da wir aufgrund der Wettervorhersage geplant hatten füher abzureisen, hieß es nun: Packen und sauber machen. Aber auf das Wetter ist einfach kein Verlaß. Die Busrückfahrt war so sonnig – da wären noch einige Kletterrouten drin gewesen. Schön wars! Und, machen wir das nächstes Jahr wieder? Ja klar!
Julia Koll