Goldener Oktober auf dem Rheinsteig

Autor / Bildrechte: Thomas Kohlgrüber

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Am zweiten Oktoberwochenende fuhren wir zu 5 Familien an den Rhein. Es war wirklich goldenes Oktoberwetter, und Julia hatte alles bestens für das Wochenende organisiert. So trafen wir uns Samstagmittag in Boppard, um dort einen Klettersteig zu begehen. Es handelt sich dabei um einen schönen Rundweg mit zwei Klettersteigpassagen, die noch relativ neu und in sehr gutem Zustand sind. Die Trittabstände der Klammern sind recht eng, also auch für die Kinder gut gehbar. Einige mehrere Meter hohe senkrechte Leitern erfordern dabei doch schon eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration. Aber besonders für die Kinder haben solche Sachen Erlebniswert.

Am Ausstieg der zweiten Stelle kann man im Schiefer Muschelversteinerungen finden und kommt dann zu einer besonders schönen Stelle mit tollem Ausblick auf die Rheinschleife. Klar, dass wir die Gelegenheit zur Pause mit entsprechenden Stärkungen für Groß und Klein nutzten! Der dann folgende Höhenrücken mit kleinen krüppeligen Eichen zeigte sich sonnendurchflutet in schönsten Herbstfarben und so manch kleine Waldelfe stieg in eine der Eichen und lugte über das Blätterdach.

Der Rest der Runde über einen breiteren Wanderweg wäre sicher weniger interessant gewesen, wenn da nicht die Mountainbike-Anlage des Bikepark Boppard gewesen wäre. Hierzu gehört ein sog. Dirtparcour, bei dem sich die jugendlichen Biker von hölzernen Startrampen fast senkrecht hinunterstürzen, um dann mit Schwung über die hintereinander folgenden Erdschanzen mit abenteuerlichen Sprüngen zu „fliegen“. Da staunten wir alle nicht schlecht!

Von Boppard aus ging’s mit dem Auto weiter und später mit der Wagenfähre über den Rhein nach St. Goarshausen, von wo wir auf die Loreley gelangten. Dort im Turnerheim hatte Julia uns einquartiert und unser Abendmenü geordert. So gingen wir gut gestärkt noch nicht ins Bett, sondern entfachten auf der Loreley ein Lagerfeuer. Wir hatten alles dafür mitgebracht, auch Stockbrotteig samt zugehörigen Nussstrauchruten. Noch bis in die Nacht saßen wir am Feuer und hörten Kraniche, die gen Süden zogen.

Nach einem guten Frühstück am nächsten Morgen starteten wir erwartungsfroh auf dem eigentlichen Rheinsteig und wanderten von der Loreley nach Kaub. Diese Etappe gehört sicher zu den schönsten des gesamten Rheinsteigs, der sich insgesamt 320 km zwischen Bonn und Wiesbaden erstreckt. Der sich allmählich lichtende Frühnebel ließ uns stimmungsvoll hinunter zum Rhein und der anderen Rheinseite blicken. Die Sonne zeigte sich immer stärker und wärmte so richtig, während Rebhänge und die Wälder leuchteten.

Abwechslungsreich ging es durch einen Weinlehrpfad zu einer Felsenkanzel, auf der sich flugs die Kinder die besten Plätze sicherten. Für mich eine der vielen „schönsten“ Stellen! Von hier blickt man zurück zur Loreley und dann hinunter ins enge Rheintal, durch das die vielen Schiffe hindurch schippern. Nebenher zwängt sich noch die Bahn und kriecht durch Tunnelöffnungen, die mit kleinen Türmchen eingefasst und verziert sind. Fast eine Modelllandschaft.

Im weiteren Verlauf der Wanderung musste man auch mal tief hinunter in eines der Seitentäler. Bei einem der darauf folgenden Aufstiege hingen im dichten Wald Lianen lang herunter, sofort schwangen sich unsere Kinder daran umher. Seitwärts des Weges zog ein schluchtartiges Bachbett herunter. Ohne langes Getue, die Kinder voran, ging’s mittendurch und später die steile Flanke hinauf wieder auf den „Normalweg“.

An schönen exponierten Stellen steht oft ein Schutzhäuschen ähnlich einer Laube mit spitzem Dach. Für uns waren dies Einladungen zur Pause, denen wir nur selten widerstehen konnten, hatten wir ja auch an diesem Tag „Proviant“ in unseren Rucksäcken. Während dabei die Erwachsenen die stimmungsvollen Ausblicke vom „Weinsteig“ auf sich wirken ließen, spielten die Kinder am Waldrand, beobachteten Eidechsen bei ihrem späten Sonnenbad und schnitzten mit ihren Taschenmessern. Überhaupt war alles sehr harmonisch und wegen mir hätte der Tag ruhig ein paar Stündchen länger dauern können.

Ein knorriger Apfelbaum auf einer alten Obstwiese zog mit seinen rotbackigen Äpfeln besonders die Kinder magisch an. Einen Augenblick später wurden auch wir Erwachsenen mit Gesundem versorgt. Die Sonne stand schon recht tief, als wir zum Ende der Tour vorbei an Burg Gutenfels hinunter nach Kaub abstiegen, die Zollburg Rheingrafenstein im Blick. Den Rückweg kürzten wir mit der Bahn ab und gönnten uns allen zum Abschluss noch ein dickes Eis. Nicht nur die Kraniche zogen in den Süden, sondern auch die Eisdielenbesitzer nach Italien, wir waren ihre letzten Gäste der Saison. Es war eine wunderschöne Familientour, die nach einer Neuauflage verlangt.