Die Entwicklung zum Klettergebiet - 1980 bis 2010
Es begann alles vor ca. 240 Mill. Jahren. Am Küstensaum des belgisch-münsterländischen Meeres entstand aufgrund des mediterranen Klimas ein Korallenriff. In dem seichten Wasser entstanden Korallenbänke und zusammen mit Kalkablagerungen (Sedimentierung) von abgestorbenen Meerestieren bildeten sich Kalkbänke, die im Laufe der Jahrtausende anwuchsen und durch tektonische Verwerfungen ihre heutige Form und Lage erhielten. Dann schlummerten die Kalkbänke lange Zeit unter der Erde, bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts der Gesteinsabbau im Biggetal begann. Zahlreiche offenen Felsbildungen aus Kalkgestein wurden dabei Opfer der Rohstoffgewinnung und das durch zahlreiche Felstürme durchsetzte Biggetal zwischen Attendorn und Finnentrop, man könnte hierfür durchaus den Begriff der Sauerländischen Schweiz verwenden, verlor seinen typischen landschaftlichen Reiz. Zurück blieben aber zahlreiche aufgelassene Kalksteinbrüche wie die Hohe Ley, der Steinbruch Biggen oder der Untere Elberskamp. Nach Aufgabe des Gesteinsabbaus fand sich erst so recht keine sinnvolle Nutzung des Geländes am Elberskamp, bis Anfang der 1990-er Jahre mit der Erschließung als Industriegebiet begonnen wurde. Heute beherbergt das Areal über 10 Industriebetriebe und ein Klettergebiet.
Die Anfänge der klettersportlichen Nutzung des Unteren Elberskamp gehen auf ein paar Kletterer aus Olpe zurück. Die Volkshochschule und die Abteilung Olpe des Sauerländischen Gebirgsvereins organisierten Anfang der 1980er Jahre Kletterkurse in dem ehemaligen Steinbruch, in dem damals einige Baufirmen ihr Material lagerten. Daneben diente aber auch die Hohe Ley als Trainingsgelände, die gleich schräg gegenüber gelegen ist. Es existierten zu der Zeit aber nur wenige Kletterrouten im Unteren Elberskamp, 3 Stück, um genau zu sein.
Für mich persönlich begann die Kletterei genau genommen auch im Unteren Elberskamp. Hier besuchte ich die Kletterkurse der Volkshochschule, die von P. Nusterer geleitet wurden. Parallel dazu gab es auch einen Klettergrundkurs des SGV Olpe, auch unter Pepis Leitung. Natürlich besuchte ich beide Kurse! Der Andrang bei den Kursen damals war hoch, allerdings blieben nur wenige beim Klettern dabei. Und das Klettertraining im Elberskamp, der damals zu Recht ob seines brüchigen Gesteins verrufen war, war eine sehr gute Vorbereitung für das ebenfalls nicht immer zuverlässige Gestein in den Alpen, und dafür diente damals das Klettertraining an den heimischen Kletterfelsen. Das brüchige Gestein hatte auch zur Folge, dass man den Haken nicht trauen durfte und wohl deswegen ist auch niemand auf die Idee gekommen, Haken zu schlagen. Und für Klemmkeile war es erst recht zu brüchig und so blieb uns nichts anderes übrig, als mit der Steigklemme bzw. einer Prusikknotenschlinge von oben gesichert zu klettern. Zu dieser Zeit wurden auch nur 3 Routen geklettert: Die „Alte Südwand“ (UIAA 3), die „Köster“ (UIAA 4+) und der „Lange Egon“ (UIAA 5). Der „Lange Egon“ war damals nur etwas für die Könner, die anderen kämpften redlich in der „Alten Süd“ oder noch eher an der unteren Felsstufe, von der heute leider nicht viel übrig geblieben ist, da die Wand vor der Zufahrtsstraße zum Industriegebiet weichen musste. Die erste Hürde auf dem Weg zu einem „guten“ Kletterer war die Köster-Route. Damals mit dem UIAA-Grad 4 bewertet, war die Tour mit Bollerschuhen geklettert für Anfänger schon ein großer Erfolg und man durfte sich alpinen Routen gewachsen fühlen.
1989 legte ich dann meine Prüfung zum Fachübungsleiter Bergsteigen ab und damit begann ich auch mit den Kursen im Elbi, wie der Steinbruch heute liebevoll genannt wird. Ich nannte die Lehrgänge Alpinen Grundkurs, obwohl sie damit recht wenig zu tun hatten. Es waren dies vielmehr verkappte Kletterkurse, aber der Erfolg der Kurse war riesig, wenn man das an den Teilnehmerzahlen festmachen kann. Regelmäßig meldeten sich Jahr für Jahr über 50 Teilnehmer an, welche dann auf 2 Wochenendkurse aufgeteilt wurden. Die Gruppe wurde dann noch gedrittelt und mit 2 oder 3 Hiwis zog ich dann die Kurse durch. Das war immer lustig und passiert ist auch nie etwas. Es gab zwar mal hin und wieder Teilnehmer, die am zweiten Tag nicht mehr kamen, weil sie festgestellt hatten, dass zwar ein Alpiner Grundkurs, aber nicht Klettern und Abseilen für sie das richtige waren, aber die meisten haben von den Kursen was mitgenommen. Ich übte ja auch Gehen im weglosen und schottrigen Gelände, baute einen Klettersteig auf und besprach viele Themen wie die benötigte Ausrüstung oder Fragen zur Orientierung, so dass für jeden was dabei war. Und es blieben zu der Zeit auch regelmäßig ein paar beim Klettern hängen.
Anfang der 1990er Jahre wurde es langsam aufgeräumter im Elbi. Eine Baufirma nach der anderen zog ab und räumte die Beton-Mischmaschinen, Schal-Tafeln und was sonst alles dort gelagert wurde, weg. Zwischendurch wurde die Fläche auf der unteren Berme teilweise als Holzlager genutzt, bis man dann mit der Auffüllung für das geplante Industriegebiet begann. Als dann aber die untere Wand im Zuge der Erschließung des Industriegebiet weg gesprengt wurde, war dies das Ende der Alpinen Grundkurse. Die untere Wand war nämlich wegen ihrer geringen Höhe (ca. 10 m) und der geneigten Wandpartien bei den Anfängern sehr beliebt. Und hier konnte stundenlang von den Teilnehmern das Abseilen und das Klettern in der weniger ernsten Umgebung geübt werden. Heute sind gerade einmal zwei sehr leichte Routen davon übrig geblieben. Neu hinzugekommen ist dafür die Trafo-Wand, der wir früher keine Beachtung geschenkt hatten, die Südwand stand halt immer im Mittelpunkt des Interesses. Ja, die Südwand. Ort vieler Geschichten und Dramen. Schauplatz von echten Heldentaten. Und von Unechten. Arena für gewagte Solobegehungen und für Meilensteine des Kletterns in Nordrhein-Westfalen: Katharsis (10+), die derzeit schwerste Kletterroute in NRW, eine Glanzleistung von Theo Konstandakopulos aus dem Juni 2007. Die Südwandrouten, für viele die Erfüllung von Träumen, Sehnsüchten nach ein paar Metern senkrechten Fels zur Gewinnung von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Viele Namen, die für erfüllte oder unerfüllte Träume stehen: Langer Egon, Milli Vanilli, Doktor Eisenbart. Die große Verschneidung (Geht nicht, gibt’s nicht), April 90, Nadelkissen und Frankfurter Börse. Und natürlich Katharsis und Basilisk. Gedachte und gekletterte Linien auf Karstfels.
Der Untere Elberskamp ist seit der Sperrung von Christinenley und Burgfelsen in Nideggen in der Nordeifel für die Ausbildung der Sektion Gummersbach unersetzlich geworden. Jahr für Jahr finden hier die Kletterkurse statt. Kurse für Anfänger, Fortgeschrittene. Klettersteiggehen, Bergrettungsübungen, sogar Spaltenbergungen können hier realistisch vermittelt werden.
Seit etwa 1992 besteht eine Genehmigung seitens des Eigentümers (Gemeinde Finnentrop) für die Mitglieder des DAV-Gummersbach, hier auf eigene Gefahr zu klettern. Im Jahr 2010 wurde dann eine Nutzungsvereinbarung zwischen der Gemeinde Finnentrop und dem Deutschen Alpenverein zur klettersportlichen Nutzung abgeschlossen. Mit 60 Kletterrouten hat sich der ehemalige Steinbruch zu einem netten Klettergebiet gemausert, und Autokennzeichen aus ganz NRW parken am Unteren Elberskamp.
Fritz Blach, Wenden im April 2011
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