Sozialpädagogische Wertigkeit des Klettersports
Klettern ist Sport. Aber Klettern ist ein besonderer Sport. Weil er in der Persönlichkeitsentwicklung viele Aspekte anspricht: Das Gefühl für Gefahr wird geschult, die allgegenwärtige Tiefe veranschaulicht die Gefahr des Abstürzens und fortwährend muss der Kletterer sein Gefahrenmanagement aktivieren. Leichtsinn oder Unachtsamkeit wird schnell mit Absturz bestraft.
Das Verantwortungsgefühl wird geschult. Die Verantwortung, stets nur die geeignete Ausrüstung zu benutzen und diese auch richtig einzusetzen. Der Kletterer lernt, nur einwandfreie Karabiner und Seile einzusetzen und im alpinen Gelände einen Steinschlaghelm zu tragen. Die Verantwortung seinem Seilgefährten gegenüber, die Sicherungsknoten richtig zu legen und die Standplatzsicherung richtig zu bedienen. Die Wahl der richtigen Route unter Berücksichtigung des eigenen Könnens und der Wetterlage.
Die Sensibilität für die Belange der Natur wird erhöht. Der Mensch hat diese starken Erlebnisse in den Alpen oder in den Mittelgebirgen gehabt, in einem Naturraum. Die Natur ist dabei Bestandteil seiner Erlebnisse geworden, die Wunder der Natur werden unmittelbar erlebt. Sonnenaufgang, Hitze, Regen, Sturm, Dunkelheit, Tiefe, aber auch Wälder, Almen, Gletscher und nackter Fels wirken ohne irgendeinen Filter auf den Menschen ein, er kann sich ihnen nicht entziehen. Und der Mensch erkennt, dass Eingriffe beeinträchtigend sind, dass Eingriffe Wunden in der Natur hinterlassen.
Klettern verschafft ein gutes Gleichgewichtsgefühl, die Koordination der Bewegungen und die Körperbeherrschung wird verbessert . Die Muskulatur wird gestärkt und die Ausdauer geschult. Klettern ist ein Sport für jedes Alter. Spielerisch können schon 3 –oder 4 jährige an den Sport herangeführt werden, die etwas Älteren klettern schon von sich aus auf Bäume oder alles, was sich irgendwie erklettern lässt. Und Bersteigen und Wandern kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden. Luis Trenker war noch mit 80 Jahren auf dem Matterhorn und mit 90 gönnte er sich noch mal den Mont Blanc.( siehe auch Auszüge aus Lehrplänen und Richtlinien des Kultusministers NRW)
Auszüge aus Lehrplänen und Richtlinien
Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (1. Auflage 2001)
Originalzitat (s. Seite XLI der Richtlinie):
“In diesem Inhaltsbereich eröffnen sich den Schülerinnen und Schülern vielfältige, zum Teil außerhalb der Schule kaum gegebene Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten. Hierzu gehören [...] das Spielen mit der Schwerkraft und dem Gleichgewicht, [...] das Erfahren der Höhe, z.B. beim Klimmen und Klettern [...]. Somit bietet das Sich-Bewegen [...] für Schülerinnen und Schüler besondere Anreize, Bewegungsgefühl und Bewegungserlebnisse zu entdecken und zu erweitern, Risiken abzuwägen, Angst zu äußern, und zu bewältigen, sowie bewegungstechnisches Können zu entwickeln und Körperbeherrschung zu erfahren und dabei auch gemeinsam zu handeln.”
Originalzitat aus Kapitel 3.5 Bewegen an Geräten – Turnen (s. S. 88 des Lehrplans):
“Grundlage sind dabei die elementaren und für die vielseitige motorische Entwicklung notwendigen Bewegungstätigkeiten Hängen und Hangeln, Schaukeln und Schwingen, Klimmen und Klettern, Balancieren, Stützen und Handstehen, Springen, Fliegen und Landen, Drehen, Rollen und Überschlagen und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, die sich durch unterschiedliche Geräte und Gerätearrangements ergeben.”
Originalzitat aus Kapitel 3.5 Bewegen an Geräten – Turnen (s. S. 89 des Lehrplans):
“Für manche Unterrichtsvorhaben ist es möglich, für andere sogar vorteilhaft,, sie in Formen eines Projektes durchzuführen (z.B. gemeinsam in Balance sein – akrobatische Präsentationen gestalten und vorführen, oder Klettern an Geräten, Wänden und in der Natur).
Bausteine & Materialien für die Lehrerfortbildung
Herausgeber: Rheinischer Gemeindeunfallversicherungsverband (RGUVV) in Kooperation mit dem Deutschen Alpenverein e.V. (DAV), 1. Auflage (aktuelles Werk / Erscheinungsjahr nicht abgedruckt).
Aus dem Vorwort:
“Durch sich ständig wandelnde Freizeit- und Sporttrends gelangen in letzter Zeit auch sogenannte Risikosportarten in den schulischen Bereich. Beim Klettern handelt es sich um eine junge, doch schon etablierte Sportart, die nicht nur in den alpennahen Bundesländern betrieben wird, sondern immer mehr auch in die Schule in Nordrhein-Westfalen drängt. Klettern ist wie kaum eine andere Sportart besonders dazu geeignet, den Schülerinnen und Schülern persönliche, materielle und soziale Erfahrungen und Lernerfolge zu vermitteln und das Thema “Sicherheit” in unserem ganzheitlichen Sinne zu verdeutlichen.”
Aus Kapitel 1:
Kletterzentraler Perspektivenkomplex – Klettern kann...
- Könnens- und Leistungserfahrungen erschließen,
- Abenteuer, Spannung und Grenzerfahrungen vermitteln,
- gemeinsames Handeln und Wohlgefühl bewirken,
- Kreativität, Ästhetik und Gestaltung zum Ausdruck bringen.
Kletterperipherer Perspektivenkomplex – Klettern kann...
- Körper- und Umwelterfahrungen ermöglichen,
- Wohlbefinden und Fitness erzeugen.
Kletteruniverseller Perspektivenkomplex –
Klettern kann...
- Verstehen und Verständigung fördern,Verantwortungsbewusstsein entwickeln.
Verfasser: Fritz Blach