Alpenüberquerung auf dem E5 2004

Alpenüberquerung auf dem E5 von Oberstdorf nach Bozen
07.09. – 15.09.2004

Autor: Andreas Görlach

Dienstag, der 07.09.04
Um 5:30 Uhr mache ich mich mit meinem 16 kg schweren Rucksack auf den Weg zur Bushaltestelle. Ich bin etwas spät dran und muss sehen, dass ich den Bus zum Gummersbacher Bahnhof noch erwische. Aber schließlich schaffe ich es dennoch und bin um 5:45 Uhr am Gummersbacher Bahnhof. Hier nehme ich die Regionalbahn nach Köln. Mein alter Weggefährte Ulrich steigt in Hoffnungsthal zu. Um 7:05 Uhr sind wir im Kölner Hauptbahnhof eingetroffen. Wir haben einen Zug früher als nötig genommen um noch in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken zu können. Hier passiert mir auch schon das erste Malheur. Beim Aufsetzen des Kaffee- oder Warmhaltedeckels (oder wie nennt man so was?) auf die Tasse, schießt eine Kaffeefontäne aus meiner Tasse auf das Jackett einer nebenstehenden Dame. Ups, peinlich, peinlich. Ich entschuldige mich vielmals aber was soll ich machen, passiert ist nun mal passiert. Jedenfalls regt sich die (ehemals) gut gekleidete Dame ziemlich auf und eilt hektisch von dannen, da sie in diesem Aufzug trotzdem ihre Besprechung nicht verpassen will bzw. darf.

Um 7:54 Uhr besteigen wir dann pünktlich unseren ICE nach Ulm. Hier wartet schon die nächste Hürde auf uns. Das Reservierungssystem der DB ist ausgefallen und alle Reisenden suchen hektisch ihre zugeteilten Sitzplätze. Da einige ihr Recht auf ihren reservierten Sitzplatz mit Nachdruck geltend machen, setzt eine Kettenreaktion ein. Jetzt werden Plätze getauscht sowie Gepäckstücke von links nach rechts und umgekehrt in den eh zu engen Gängen befördert. Diese ordnungsbildende Maßnahme stoppt jedoch als jemand seinen Platz beansprucht, auf dem ein blinder Passagier, dies ist wörtlich zu nehmen, sitzt. Jetzt muss erst einmal der Platz dieses Sehbehinderten gefunden werden. Die Sitzplatzauszeichnung erfolgt nun eben mal nicht in Brailleschrift. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Zugbegleiterin eigentlich diesen Begriff nicht verdient hat, sondern eher bzw. nur als Fahrkartenkontrolleurin eingestuft werden kann, so dass ein Fahrgast die Betreuung des Sehbehinderten übernehmen muss. Die Abfallentsorgung wird ebenfalls von besagter Dame an einen Mitreisenden delegiert. Dies nenne ich gutes Führungsverhalten. Vielleicht hat die Zugbegleiterin gerade einen Führungslehrgang besucht mit dem Ziel, die Mitreisenden zu beschäftigen. Schließlich reist man bei der Deutschen Bahn nicht zum Vergnügen und zur Erholung. Hier soll mitgearbeitet werden.

Pünktlich erreichen wir Ulm, das Positive soll ja auch einmal erwähnt werden. Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter nach Immenstadt und von dort direkt nach Oberstdorf, dass wir um 13:50 Uhr erreichen. Hier wartet auch schon unser Freund Roman auf uns, der schon ein paar Tage vorher in die Berge gefahren ist und nun 3 Tage mit uns wandern will.

Ganz unsportlich nehmen wir uns aber erst einmal ein Taxi in die Spielmannsau (983m), da der Weg bis hierhin relativ unspektakulär und eben verläuft. Wir wollen nicht unnötig Körner verschießen, bevor es richtig losgeht. Nachdem wir unser Startfoto geschossen haben und sonst alle Dinge in unserer Ausrüstung geordnet haben, geht es endlich los. Zuerst verläuft der Weg ziemlich eben durch das Trettachtal. Langsam wird es dann aber steiler als es durch den wilden Sperrbachtobel geht. Der Weg ist teilweise sehr rutschig, was darauf schließen lässt, dass es in den Wochen vorher viel geregnet haben muss. Auch das Nebelhorn macht seinem Namen alle Ehre. Obwohl es ein wunderschöner Tag ist, ist der Gipfel nebelverhangen. Nachdem wir den Tobel mehrmals überquert haben, gelangen wir nach ca. 1 ½ h an die schöne Wallfahrtskapelle Maria am Knie, wo wir erst einmal Rast machen. Hier begegnen wir auch unserem ersten Alm-Öhi in Lederhosen und mit langem Bart. Nach weiteren 1 ½ h und ca. 800 Höhenmetern haben wir die Kemptener Hütte (1844m) erreicht. Die Hütte ist brechend voll, so dass wir die Nacht im Matratzenlager verbringen müssen. Nachdem wir es uns erst mal bequem gemacht haben und ein wenig Körperpflege betrieben haben, bekommen wir noch einen letzten freien Tisch in der hintersten Ecke. Das Essen (Maultaschen) ist ganz fix fertig und schmeckt wirklich gut. Auch sonst ist die Bedienung wirklich von der flotten Sorte, so dass wir auf die „Halben“ nicht lange warten müssen. Am Nebentisch wird ordentlich mit Schnäpsen abgepumpt. Da um 22:00 Uhr Hüttenruhe angesagt ist und man nach 3 „Halben“ die nötige Bettschwere hat, verkriechen wir uns bald in unserem Lager.

Mittwoch, der 08.09.04
Die erste Nacht im Lager war etwas gewöhnungsbedürftig, obwohl überraschenderweise wenig geschnarcht wurde. Trotzdem habe ich relativ schlecht geschlafen. Um kurz vor sieben stehen wir auf. Ich order ein großes Frühstück, was aber leider lediglich aus 2 Scheiben Graubrot und ein bisschen Wurst, Butter und Käse besteht. Qualitätsmäßig absolut o.k., nur von der Quantität könnte es etwas mehr sein. An diesem morgen geht es bei strahlendem Sonnenschein erst einmal ca. 130m aufwärts zum Oberen Mädelejoch (1974m). Dies ist der Grenzübergang in Richtung Österreich. Ulrich, der arme Kerl ist ganz bedröppelt, seine Kamera hat ihren Dienst aufgegeben. Jetzt geht es anfangs steil abwärts in den Roßgumpengraben. Auf der Roßgumpenalm kehren wir zur Frühstücksvesper ein. Ich bestelle einen Apfelkuchen, der saukalt ist und wohl gerade aus dem Kühlfach kommt. Fazit: Hat nicht geschmeckt und mir den ganzen Tag im Magen gelegen. Der Almwirt klagt, dass der ganze Sommer verregnet war und keine Gäste gekommen sind. Jetzt wo das Wetter schön ist, ist der Zufahrtsweg zur Alm aufgerissen und viele Gäste kehren daher wieder um. Also, wieder nichts mit dem großen Geschäft. Hinterher erfahren wir, dass ein ansässiger Landwirt den Weg aufgerissen hat, weil er nicht will, dass der Wirt der Roßgumpenalm zu seiner Hütte fährt. Die Angelegenheit wird nun vor Gericht ausgetragen. Also, auch in den Bergen ist die Welt nicht in Ordnung.

Auf dem Weiterweg kommen wir an den Simmswasserfällen vorbei. In einer engen Schlucht stürzt das Wasser über mehrere Kaskaden unzählige Meter in die Tiefe. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel. Gegen Mittag haben wir die ca. 800m Abstieg geschafft und erreichen Holzgau (1103m) im Lechtal. Vor einem Restaurant sehen wir die großflächige Werbung: E5-Taxi nur hier. Dieses Angebot nehmen wir gern in Anspruch, da der Weg durch das Madautal ziemlich unspektakulär und eben größtenteils auf Teerstraßen verläuft. Mit dem Taxi wollen wir bis zum Parkplatz der Memminger Hütte fahren, wo der Anstieg zur gleichnamigen Hütte beginnt.

Also, nichts wie bestellt; wir wollen nämlich direkt weiter. Hier werden wir aber erst einmal in unserem Eifer gebremst. Der Wirt erklärt uns, das mit dem Taxi kann noch ein bisschen dauern. Wir sollten uns erst einmal in sein Lokal setzen und etwas essen und trinken, er würde in der Zwischenzeit das Taxi bestellen. Da mir aber besagter Apfelkuchen noch im Magen liegt und auch meine Freunde bzgl. der Geschäftstüchtigkeit des Wirtes sprachlos sind, beschließen wir auf einer schönen Bank in der Sonne auf unser Taxi zu warten. Bald informiert uns auch der Wirt, dass das Taxi in einer halben Stunde kommen wird. Als schon fast 1 Std vergangen ist, beschließe ich selber einmal bei Taxi Feuerstein anzurufen. Die freundliche Dame in der Taxizentrale weiß nichts davon, dass ein Taxi für uns bestellt wurde!!!!!!!!!! Sie ist aber auch erst gerade aus der Mittagspause gekommen. Eine Meldung dergleichen liegt ihr aber auch nicht vor. Ich lass dies hier mal unkommentiert stehen. Die wirklich hilfsbereite Dame verspricht mir aber sich sofort darum zu kümmern und mich auf meinem Handy zurückzurufen, was auch alsbald geschieht. In weiteren 45min wird uns ein Taxi zugesagt. Jetzt bin ich aber wirklich angefressen. Als Tipp für alle E5-Wanderer die ebenfalls hier ein Taxi bestellen wollen: selber anrufen bei Taxi Feuerstein.

Nach ca. 1 ½ stündiger Wartezeit trifft endlich unser Taxi ein. In rasender Fahrt kehrt es durchs Tal. Da stört auch nicht, dass die Warnlampen für Bremsen und Ölkontrolle aufleuchten. Der Taxifahrer ist ein alter Seemann und auf allen Weltmeeren herumgekommen. Mit den Bergen kann er gar nichts anfangen. Die Straße durchs Madautal wird immer schlechter und wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Wir sind dann froh als wir unser Ziel erreicht haben. Der Taxifahrer macht uns einen Freundschaftspreis von 10 €/Person. Wenn man bedenkt, dass der reguläre Fahrpreis 38 € beträgt, haben wir 8 € gespart. Wirklich nett.

Alsbald machen wir uns an den Aufstieg zur Memminger Hütte. Steil geht es über eine Grasflanke aufwärts. Nachdem wir einen Bach überquert haben schlängelt sich der Weg durch eine Art Kamin am Westabsturz des Seekogels vorbei. Nach einer Rechtskurve sehen wir ganz unverhofft die Memminger Hütte (2242m) vor uns. Sie liegt in einem gewaltigen Talkessel an drei Seiten umrahmt von imposanten Gipfeln. In knapp 3 Std sind wir von 1449m auf 2242m aufgestiegen.

Als wir unser zugeteiltes Lager belegen wollen, ist es von einer Gruppe aus Lohmar schon belegt. „Nur keinen Stress“ schallt es uns entgegen, dabei haben wir gar nichts gesagt. Nichtsdestotrotz müssen unsere Lagerplätze geräumt werden. Roman besteigt in der Zwischenzeit den Seekogel (2412m). Hier hat man einen tollen Panorama-Blick auf die umliegenden Gipfel. Ulrich und ich wollen uns erst mal stärken, was sich als nicht so einfach herausstellt. An der Theke können nur Getränke bestellt werden, für die Bestellung des Abendessens muss man sich an den Tisch setzen. An der Theke wird die Essensbestellung nicht entgegengenommen. Mittlerweile hat sich an der Theke eine lange Schlange gebildet. Zwischendurch werden noch Unterkunftsplätze gebucht und das Bier muss auch ein 7min Pils sein. Also, zuerst einmal ohne Getränk an den Tisch gesetzt, denn bis 19:00Uhr muss die Bestellung raus sonst gibt es nichts mehr zu essen. Der Durst muss noch warten bis er gestillt wird. Nach ca.1 ½ h !!! haben wir unser Essen. Wenigstens hat der Gulasch geschmeckt. Als wir um 19:10 Uhr noch einen Kaiserschmarrn bestellen wollen:

– Bedienung:„Es ist nach 19:00 Uhr, zu spät“
– Wir: „Können Sie bitte den Koch mal fragen, ob…“
– Bedienung: „Fragt ihn doch selber“

Super, dass nenne ich Kundenfreundlichkeit und Geschäftstüchtigkeit. Wenigstens ist die Schlange an der Theke jetzt nicht mehr so lange, so dass wir unser Helles einigermaßen schnell bekommen. Jedenfalls sind
nicht nur wir sondern auch andere Gäste einigermaßen entsetzt über die Chaos-Organisation in der Memminger-Hütte. Karl-Heinz, mein Tischnachbar meint, für 8,50€ würde er die ganze Nacht Kaiserschmarrn machen. Schade, die Memminger-Hütte ist toll gelegen, super sauber und gemütlich eingerichtet. Das Chaos bei der Essen- und Getränkebestellung trübt den guten Gesamteindruck erheblich.

Die Memminger-Hütte ist auch Schnittpunkt der Fernwanderwege E5 und E4. Zwei Schwaben treffen wir hier, die z.Z. auf dem E4 unterwegs sind und vor vier Jahren den E5 gewandert sind. Hier holen wir uns einige gute Tipps für den Weiterweg. Dritter im Bunde ist Karl-Heinz, ein erfahrener Bergfreund aus Kaufbeuren, der jede Woche in die Berge fährt. In dieser schönen Runde wird noch das ein odere andere Helle getrunken.

Donnerstag, der 09.09.04
In der Nacht haben einige aus der Lohmarer Gruppe ganze Wälder zersägt. Na ja, dadurch sind wir wenigstens früh genug wach um in Ruhe zu frühstücken. Es gibt auch als großes Frühstück 3 Brotscheiben. An den Türen zum Lager prangt nämlich furchterregend: „Das Lager ist bis 8:00Uhr zu räumen“ Mich wundert hier gar nichts mehr. Ich frage mich was passiert, wenn wir unser Schlafplätze nicht bis 8:00Uhr geräumt hätten. Ich wage es mir nicht auszumalen. Als auch noch das Wasser in den Waschräumen und Toiletten ausgeht, bin ich restlos bedient. Um kurz nach 8:00 Uhr entfernen wir uns von diesem Ort der Gemütlichkeit.

Es geht erst einmal an kleinen Bergseen vorbei. Dies erinnert mich an die Gokyo-Seen im Everest-Gebiet in Nepal. Es ist wieder traumhaftes Bergwetter und die umliegenden Gipfel spiegeln sich in den Seen. Dann beginnt der steile Aufstieg auf die Seescharte (2599m). Dies ist der Übergang vom Lechtal in das Inntal. Die letzten Meter müssen wir sogar die Hände zu Hilfe nehmen. Als wir auf der Scharte stehen, bietet sich uns ein atemberaubender Anblick. Weit fällt der Blick ins Inntal herab. In den tiefen Tälern wabert noch der Nebel. Dies hat etwas Mystisches an sich. Gegenüber sehen wir die markante Silberspitze sowie den Venetberg, den wir morgen erklimmen werden. Zur Rechten sehen wir die Parseierspitze mit 3036m die höchste der Lechtaler Alpen. Da diese Seite auch windgeschützt ist machen wir erst einmal eine ausgiebige Pause und genießen die atemberaubende Sicht. Dann machen wir uns an den über 1800m langen Abstieg nach Zams (775m) hinunter. Zuerst geht es steil bergab. Dann gelangen wir in eine Art Hochebene, wo der Weg ganz flach verläuft. In der Nähe der Oberlochalm machen wir erst einmal unsere Mittagspause. Relativ eben geht es durch einen schönen Wald. Das steilste Stück ist geschafft. So lässt auch die Konzentration bei mir nach. Als wir einen Bach überqueren, trete ich zwischen die Sprossen, der über den Bach führenden Leiter. Bis zum Oberschenkel sinke ich mit dem rechten Bein ein und kann mich nicht mehr selbstständig befreien. Ich fühle mich mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken wie eine Schildkröte. Jedenfalls haben meine Freunde Erbarmen mit mir und befreien mich aus der misslichen Lage. Außer einer Schürfwunde am Knie ist noch mal alles gutgegangen.

Kurz vor Zams geht es noch einmal steiler hinab, der Lochbach gräbt sich tief in den Fels ein, die Schlucht wirkt immer imposanter je weiter wir fortschreiten. In Zams genehmigen wir uns erst einmal in einer Bäckerei Kaffee und Kuchen. Das haben wir uns nach dem langen Abstieg verdient. Nachdem die freundliche Bedienung des Cafes leider erfolglos bei einer Bekannten nach einer Unterkunftsmöglichkeit für uns nachgefragt hat, begeben wir uns zur Touri-Info. Diese finden auch direkt ein Mehrbettzimmer auf einem Bauernhof und machen es sofort fest. Als wir an der Haustür klingeln schallt es uns entgegen „Wer da. ……. Schuhe ausziehen“. Ob dieser freundlichen Bedienung sind wir zuerst etwas skeptisch. Für den Haustürschlüssel müssen wir noch eine Kaution hinterlegen. Dies habe ich auch noch nicht erlebt, aber vielleicht sehen wir nach 3 Wandertagen ohne ausgiebige Dusche auch nicht gerade vertrauenserweckend aus. Während es Ulrich und Roman nach Landeck zieht, mache ich noch einige Besorgungen im örtl. Supermarkt und lasse mir in der Touri-Info die Gästekarte aushändigen. Ulrich kommt aus Landeck sogar mit einem neuen Fotoapparat zurück. Die anschließende Dusche wirkt ware Wunder. Ich fühle mich wie neugeboren. Das Abendessen nehmen wir „Im Schmid“ ein. Ein Restaurant mit eigener Metzgerei. Wirklich preiswert aber trotzdem reichlich und sehr schmackhaft. Im Gegensatz zu den etwas spärlicheren Portionen auf den Berghütten, bin ich nach Tiroler Knödel, Krautspätzle und Hauswurst pickepackesatt. Den Restauranttipp hatte uns der Taxifahrer, der uns in die Spielmannsau gefahren hatte, gegeben. Anschließend gehen wir noch auf einen (es sind dann doch mehr geworden) Absacker in den Gasthof Gemse, da hier unsere Schwaben sich einquartiert hatten. Für sie ist die Bergtour hier zu Ende. Ich bin froh, dass wir noch einige Zeit unterwegs sind. Die Nacht in einem weichen Bett lernt man nach den vorangegangenen Hüttenübernachtungen auch zu schätzen.

Freitag, der 10.09.04
Nach einem ausgiebigen Frühstück sogar mit Frühstücksei machen wir uns um kurz nach 8 Uhr auf den Weg zur Venetbahn. Für Roman ist hier die Wanderung beendet. An der Seilbahnstation verabschieden wir uns. Während Ulrich und ich mit der Venetbahn auf den Krahberg fahren, fährt Roman zurück nach Oberstdorf. Schnell werden 1400 Höhenmeter überwunden. Dies ist zwar relativ unsportlich, aber der Krahberg bietet in der Besteigung nicht außergewöhnliches und führt überwiegend durch Wald. Außerdem wollen wir heute noch die Braunschweiger Hütte erreichen, da für das Wochenende ein Wetterumschwung angekündigt worden ist.

Vom Gipfel des Krahbergs (2208m) geht es zum Venetgipfel (2528m). Auf dem Weg dorthin haben wir wieder eine hervorragende Sicht bei diesem tollen Wetter. Zur Linken sehen wir unsere gestrige Abstiegsroute und die nördliche Alpenkette. Zur Rechten kann man weit in die Südalpen mit der Ortlergruppe sehen. Vor uns hat man sogar einen Blick auf die Zugspitze. Man kommt sich vor wie in einem 360° Panoramakino. Auf dem Venetgipfel machen wir erst einmal unsere Frühstückspause. Weiter geht es in leichtem Auf- und Ab zum Wonnejöchl (2497m) und zum Kreuzjoch (2464m). Nach steilem Abstieg über einen Steig erreichen wir die Larcheralm. Von hier führt ein breiter Güterweg nach Wenns. Wir geben ordentlich Gas, da wir den Bus um 13:15Uhr in Wenns erreichen wollen, der uns nach Mittelberg bringen soll. Der Weg ist jetzt nun wirklich nicht mehr prickelnd, da die Sicht durch mehr oder weniger dichten Wald eingeschränkt ist. Kurz vor Wenns lichtet sich der Wald und wir haben freie Sicht auf Wenns und das Pitztal. Das letzte Stück nach Wenns kommt mir sehr lang vor, da es in unendlich vielen Kehren auf einer Teerstraße bergab hinein nach Wenns geht.

Um kurz vor 13:00 Uhr haben wir Wenns (983m) erreicht. In 4 h haben wir ca. 300m Aufstieg und 1500m Abstieg geschafft. Normalerweise wird die Gehzeit mit 6 h angegeben. Vor dem Pitztaler Hof machen wir erst einmal unsere verdiente Mittagspause und warten auf den Bus der uns nach Mittelberg bringt. Zwei Mädchen, die wir auch schon auf dem gestrigen Weg getroffen haben steigen ebenfalls zu. Sie wollen in 2 Wochen bis Verona wandern. Mit etwas Verspätung geht es dann um 13:25 Uhr los. Während der Fahrt verändert sich die Vegetation merklich, da wir von 983m (Wenns) auf 1734m (Mittelberg) hochfahren. Je höher wir kommen umso karger wird die Vegetation. Früher als erwartet erreichen wir um 14:05 Uhr Mittelberg. Leider habe ich hier keine Gelegenheit meine Trinkvorräte aufzustocken. Kurz danach erreichen wir aber das Gletscherstübele. Hier kehren wir ein und ich genehmige mir erst einmal eine große Apfelschorle und einen frischen Joghurt. Frisch gestärkt geht es alsbald steil in den Anstieg zur Braunschweiger Hütte. Zur Rechten schießt der milchig aussehende Gletscherabfluss tosend zu Tal. Die aufspritzende Gischt ist für uns eine wahre Abkühlung. Steil geht es aufwärts bis wir ganz nah am ersten Gletscherausläufer dem Mittelbergferner stehen. Hier im Schatten wird es schon empfindlich kalt. Glitzernd im Sonnenlicht sehen wir winzig klein senkrecht über uns die Braunschweiger Hütte stehen. Ein anstrengendes Wegstück liegt noch vor uns. Wir entfernen uns wieder vom Gletscher und es geht unbeschreiblich steil wieder aufwärts. Trotzdem ist es ein traumhaftes Wegstück, da man zur Rechten immer einen Blick auf den Mittelbergferner werfen kann und sich immer näher auf ihn zu bewegt. Um ca. 17:30 Uhr nach 3 h Gehzeit haben wir gut 1000 Höhenmeter überwunden und erreichen die Braunschweiger Hütte (2759m). Die Braunschweiger Hütte ist die am höchsten gelegene Unterkunft am E5. Puh, der Aufstieg war unglaublich steil und hat mich eine ganze Menge Körner gekostet. Ich habe einen Bärenhunger und bestelle in der Hoffnung auf eine Riesenportion ein Wiener Schnitzel. Und ich werde nicht enttäuscht, es ist wirklich eine Portion für Bären. Die Braunschweiger Hütte bietet einen tollen Panoramablick auf die umliegenden Gletscher des Mittelbergferners. Bei diesem Panorama schmeckt das Essen noch besser. Für mich ist die Braunschweiger Hütte inmitten der Gletscherwelt ein unvergesslicher Eindruck.

Darüber hinaus ist die Braunschweiger Hütte sehr zu empfehlen. Es ist nicht so viel los wie auf den vorhergehenden Hütten. So haben Ulrich und ich die 3-Mann Koje im Lager für uns alleine. Das Essen ist im null-Komma-nichts auf dem Tisch. Es wird auch nicht so viel und streng reglementiert und Stress gemacht wie auf der Memminger Hütte. Für die Essensausgabe gibt es keine zeitliche Begrenzung. Das Lager können wir in aller Ruhe räumen ohne Angst zu haben wegen Zeitüberschreitung herausgeschmissen zu werden. Am nächsten Morgen gibt es ein kleines Frühstücksbuffet, wo man sich endlich einmal satt essen kann. Es geht also auch anders. Für den Wirt der Memminger Hütte habe ich folgenden Tipp: Einmal in der Braunschweiger Hütte einquartieren. Hier lernt man wie es besser funktioniert.

Nachdem die Sonne hinter den Gipfeln verschwunden ist wird es auch direkt empfindlich kühl und wir verziehen uns in die Hütte. An unserem Tisch sitzt auch ein Pärchen, das mit einem Golden Retriever auf dem E5 unterwegs ist. Sie lassen es gemütlich angehen und haben 3 Wochen für die Strecke veranschlagt.

Samstag, der 11.09.04
Da wir im Lager richtig schön viel Platz hatten, habe ich super geschlafen. Am Frühstücksbuffet stärken wir uns ordentlich für den heutigen Tag. Die beiden Mädchen die den E5 bis Verona gehen wollen, brechen schon auf, obwohl sie bis zum Pitztaler Jöchl mit uns zusammen gehen wollten. Aber wir wollen uns noch etwas Zeit lassen und frühstücken ausgiebig, bevor auch wir aufbrechen.

Die restlichen 250 Höhenmeter zum Pitztaler Jöchl haben wir bald geschafft. Die letzten Meter sind ziemlich ausgesetzt aber durch Drahtseile gut versichert. Das Pitztaler Jöchl ist der höchste Punkt auf dem E5 (2996m) und der Übergang vom Pitz- ins Ötztal. Am Joch angekommen bin ich etwas enttäuscht. Der Blick zurück auf die hinter uns liegenden Gipfel und die Braunschweiger Hütte ist fantastisch. Aber vor uns liegt das Ötztal mit allen Sünden, die in den Alpen von Umweltschützern etc. angeprangert werden. Direkt vor uns liegt ein großer Parkplatz. Überall Skilifte und –pisten. Bagger und Lastwagen verkehren wie auf einer Großbaustelle und das im Hochgebirge. Hinter uns sehen wir wie die angekündigte Schlechtwetterfront aufzieht.

Nach einer Pause am Joch geht es über ein Schneefeld abwärts. Dies ist mir nicht ganz geheuer. Einige Stellen unterscheiden sich farblich, teilweise hört man Wasser unter uns plätschern. Schnell überschreiten wir das Schneefeld und kommen über ein Geröllfeld, wo sich die Wegmarkierungen verlieren. Prompt versteigen wir uns. Mühsam müssen wir uns den Weg durch das Geröllfeld selber suchen, was nicht ganz ungefährlich ist. So bin ich ganz froh als wir wieder den richtigen Weg erreicht haben. Es geht zuerst mäßig bergab an der Mautstraße entlang in Richtung Sölden. Später geht es das Tal hinauf durch die schöne grüneVegetation des Ötztals. An der Gaisslach-Alm machen wir erst einmal Pause bei Apfelstrudel und Kaffee. Anschließend geht es zum Weiler Gaisslach mit schönen Bauernhäusern. Hier fallen die ersten Regentropfen, trotzdem kommen wir noch trocken in Zwieselstein (1450m) an. Bei der Unterkunftssuche haben wir beim zweiten Versuch Glück und ergattern ein Zimmer mit Du/WC und Fernseher. Am Abend kehren wir im Gasthof Post ein und lassen uns ein opulentes Mahl vorsetzen. Die Kässpätzle sind so reichlich, dass ich die Hälfte auf dem Teller lassen muss. Jetzt setzt auch heftiger Regen ein. Zum Glück haben wir heute Nacht ein warmes Bett und müssen nicht in irgendeinem Zelt übernachten.

Sonntag, der 12.09.04
Am Morgen zeigt sich der Himmel wolkenverhangen. Der Wetterbericht hat für heute weitere Regenfälle angekündigt. Egal, erst einmal lassen wir uns das Frühstück schmecken, obwohl die Brötchen nur aufgebacken sind und mir in den Fingern zerbröseln. Um 8:30Uhr machen wir uns mit den besten Wünschen der Gastgeberin versehen auf den Weg. Noch ist es zumindest trocken. Es geht über Wiesen aufwärts. Mittlerweile hat es auch angefangen zu regnen und wir legen an einer Hütte unsere Regensachen an. Etwas später haben wir die Timmelsjochstraße erreicht. Der Weg verläuft hier überwiegend parallel zur Fahrstraße. Es regnet mittlerweile in Strömen. Eine kurze Pause machen wir unter der Timmelsjochbrücke. Bei diesem Scheißwetter fahren auch eine Menge Mountainbiker über die Passstrasse. Um 11:45 Uhr erreichen wir das Timmelsjoch (2509m). Der Regen hat sich jetzt zu einem mittleren Sturm ausgeweitet. Wir kehren erst einmal in die am Timmelsjoch gelegene Raststätte ein und stärken uns mit Knödelsuppe und heißem Tee. Überall im Gastraum stehen nasse Rucksäcke und feuchte Klamotten werden zum Trocknen über die Stühle gehangen. Motorradfahrer, Mountainbiker, Wanderer, alles ist vertreten. Nur widerwillig machen wir uns auf den Weg. Erst geht es steil abwärts, später treffen wir wieder auf die Timmelsjochstraße. Der Regen hat mittlerweile nachgelassen. Schönau ist die erste Ortschaft, die wir auf Südtiroler Seite erreichen. Teils über Teerstraßen geht es weiter bis Rabenstein. Angelika und Bernhard, die seit der Braunschweiger Hütte parallel mit uns auf dem E5 unterwegs sind, kehren in einem schönen Gasthaus ein, während wir uns auf den Weiterweg machen. Wir möchten bei diesem Wetter so schnell wie möglich nach Moos zu unserem Etappenziel. Meine Bergschuhe (aber nur die) sind vollkommen durchnässt (hier hat Gore-Tex versagt) und es hängt überall dicker Nebel in den Tälern, so dass man eh nichts sieht.

In Rabenstein jagen auch die bereits am Timmelsjoch getroffen Mountainbiker in rasender Fahrt an uns vorbei und das bei diesem Wetter. Es geht auch nicht gut, einer legt sich viel zu stark in die Kurve und fällt fürchterlich auf die Nase. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert und er steht unverzüglich wieder auf. Kurz vor Moos treffen wir sie noch einmal. Hier ist einem das hintere Ritzel abgerissen worden. Die letzte Wegstrecke nach Moos ist eher langweilig und zieht sich auch noch lange hin. In Moos (1007m) angekommen, fragen wir im ersten Gasthof nach einem Zimmer. Hier haben wir es wirklich gut angetroffen. Das Zimmer ist geräumig mit Fernseher und Balkon, was sehr praktisch ist, da wir hier erst einmal unsere nassen Sachen trocknen können. Meine nassen Schuhe stopfe ich mit Toilettenpapier aus. Nach ca. 7 h reiner Gehzeit bin ich diesmal ziemlich müde und schlafe sogar während der Sportschau ein. Zum Abendessen brauchen wir gar nicht lange ein Lokal suchen. Erstens gibt es in dem kleinen Ort Moos nur 2- oder 3 Lokale und zweitens bietet unser Gasthof Lanthaler Pizza aus dem Steinofen an. Auf eine schöne Pizza habe ich mich schon den ganzen Tag gefreut und wir werden nicht enttäuscht. Es ist wirklich empfehlenswert. Den Abend lassen wir mit Angelika und Bernhard bei Bier und Wein ausklingen.

Montag, der 13.09.04
Gut geschlafen, ausgeruht und mit einem guten Frühstück im Bauch geht es durch Wald und Wiesen im dichten Nebel aufwärts nach Stuls (1315m). Ein hübscher kleiner Ort, der wohl schön gelegen ist. Leider sieht man durch den Nebel rein überhaupt nichts. Wir sind aber schon zufrieden, dass es wenigstens nicht regnet. Die gestrige Regenetappe hat mir für´s erste gereicht.

Von Stuls (1315m)geht es steil bergab nach St.Leonard (693m). Hier fülle ich im Supermarkt erst einmal meine Vorräte auf. Anschließend geht es steil bergan zur Pfandler Alm (1345m), unsere heutige Unterkunft. Die Pfandleralm ist eine Privathütte und wunderschön auf einer Lichtung gelegen. Die Zimmer sind mit nur vier Betten ausgestattet und es gibt sogar kostenlos warme Duschen. Dadurch, das die Hütte mit nur ca.30 Schlafplätze relativ klein ist, hat es im Gegensatz zu den großen AV-Hütten etwas gemütliches und vor allen Dingen eine private Atmosphäre an sich.

Erst einmal genehmige ich mir auf der schönen Terrasse einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Ulrich wird hier leider von einer Wespe gestochen. Zu seinen Knieproblemen, die er seit einiger Zeit beim bergab gehen hat, kommt jetzt auch noch eine dicke Hand.

Neben der Pfandleralm liegt auch die Hütte, wo Andreas Hofer sich vor den Truppen Napoleons versteckt hat und später gefangen genommen wurde.

Zum Abendessen wird ganz unkompliziert von der Hüttenwirtin die Speisekarte selber geschrieben. Die Auswahl ist nicht sehr groß und es handelt sich eigentlich mehr um eine Art Snack als um eine vollwertige Mahlzeit. Die Hauptsache ist aber, dass es schmeckt. Zum Essen bestellen wir zum ersten Mal Rotwein. Südtirol und insbesondere das Meraner Land ist für seinen guten Wein berühmt. Hierbei wird die morgige Tourenplanung besprochen. Einige wollen wegen der schlechten Wettervorhersage für morgen direkt nach Meran absteigen. Wir beschließen die Schlechtwettervariante bis zur Meraner Hütte zu nehmen, da in diverser Reiseliteratur bei unsicherer Wetterlage vor dem Weg über die Hirzer Scharte abgeraten wird. Angelika und Bernhard beschließen trotz allem den Weg über die Hirzer Scharte zunehmen. Sie gehören sowieso zu den ganz Harten. Den Weg Oberstdorf nach Bozen legt Bernhard in der Tat komplett per pedes zurück, d.h. der Weg durch das Pitz- und Lechtal sowie auf den Venetberg hat er ohne Bus, Taxi oder Seilbahn zurückgelegt. Beide sind Wahl-Leipziger und kommen aus Schwäbisch-Hall (Angelika) bzw. Moers (Bernhard).

Dienstag, der 14.09.04
Am Morgen zeigt sich der Himmel grau in grau aber es ist zumindestens noch trocken. Nach gutem Frühstück geht es direkt vorwiegend durch Wald auf einen Grad unterhalb der Riffelspitze (2063m). Dies ist der steilste Wegabschnitt auf dem E5. Da der Weg durch den Regen der vergangenen Tage total aufgeweicht ist, macht dies die Sache auch nicht gerade leichter, sondern ziemlich heikel. Für Abwechslung sorgen einige Gämsen, die wir beim Aufstieg erspähen. Es sind die ersten und werden die Einzigen sein, die wir auf unserer Wanderung zu Gesicht bekommen. Auf dem Grad angekommen machen wir erst einmal eine Pause. Schade, durch die tief hängenden Wolken ist die Sicht gleich null. Der anschließende Steig führt ohne große Höhenunterschiede unterhalb des Prantachkogels bis zur Mahdalm. Die anschließende Kircheggeralm ist die schönste Alm, die wir auf dem E5 zu Gesicht bekommen haben. Sie sieht mit den kleinen Fensterchen richtig urig und wie eine Puppenstube aus. An der Hirzer Hütte (1983m) angekommen machen wir erst einmal unsere Mittagspause. Ich nehme Apfelstrudel mit Vanillesauce und einen Holunderblütensaft. Es schmeckt köstlich.

Als wir aus der Hütte treten, zeigen sich schon tiefschwarze Wolken am Horizont. Der Nachmittag entwickelt sich zu einem einzigen Wettlauf gegen den Regen. Der Weiterweg zieht sich endlos lang und langweilig vorwiegend durch Wald und Wiesen hin. Von einigen Stellen soll man eine tolle Sicht auf Meran haben, die Betonung liegt aber auf „soll“. Über Videgg, Taser, Egger, Greitererhof und Gschreiter gelangen wir zur Mittelstation der Ifinger-Seilbahn (1205m). Wir haben für diese Strecke ca. 3 ½ h gebraucht; 5 h sind veranschlagt. Kurz vor der Mittelstation setzt auch der langerwartete Regen ein. Zu allem Unglück hat Ulrich auch noch seine Mütze verloren. Fotoapparat defekt, Wespe gestochen, Knieschmerzen und jetzt auch das noch, der arme Kerl ist wirklich vom Pech verfolgt.
In der Seilbahn sind wir die einzigsten Fahrgäste. Kein Wunder bei diesem Wetter. In wenigen Minuten haben wir Meran 2000 erreicht. Das Skigebiet Meran 2000 ist eine einzige Großbaustelle. Eine gute ¾ h Gehzeit haben wir noch, dann erreichen wir die Meraner Hütte (1960m). Von der Ferne sehen wir auch schon Angelika und Bernhard vom Gebirgsjägergedächtnissteig aus uns zuwinken.

In der Meraner Hütte kann man die Gäste an zwei Fingern abzählen. So bekommen wir zum ersten Mal ein Zimmerlager zugewiesen. Mit einem riesen Appetit begeben wir uns zum Abendessen. Schließlich war der Tag eine einzige Hatz und mit ca. 8 h reiner Gehzeit auch nicht ohne. Daher verschlinge ich zur Vorspeise eine Knödelsuppe und anschließend noch eine Riesenportion Hirtenmakkaroni. Um mich aufzuwärmen genehmigen wir uns vorher noch einen Grog. Mittlerweile hat Wetterleuchten eingesetzt. Gut gegessen und getrunken falle ich später in einen tiefen Schlaf.

Mittwoch, der 15.09.04
Am nächsten morgen zeigen sich die aus den Wolken herausragenden Berge schneebedeckt. Das Frühstück ist eine einzige Katastrophe. Nur ein paar trockene Brötchen und ein bisschen abgepackten Honig und Marmelade und das war es.

Heute liegt unsere letzte Bergetappe vor uns. Von der Hütte geht es erst leicht ansteigend auf das Kreuzjoch (2084m). Der Nebel lichtet sich auch etwas und so kann man die umliegenden Bergketten sehen. Imposant wie die schneebedeckten Berge aus dem Nebel auftauchen. Gut erkennbar ist der stark gezackte Rosengarten. Dann geht es hinunter ins Auenjoch (1924m). Ab hier handelt es sich nur noch über einen ausgedehnten Höhenspaziergang. Über Möltener Kaser erreichen wir St.Jakob auf Lafenn. Kurz vor St.Jakob auf Lafenn ist es das einzigste Mal, dass wir den Weg verfehlt haben. Auf Lafenn machen wir erst einmal eine ausgiebige Mittagspause. Angelika und Bernhard treffen auch kurz später ein. Ich genehmige mir Kasknödel, die einfach herrlich schmecken. Ulrich hat leider wieder einmal Pech. In seiner Gemüsesuppe ist „Leben“ drin. Die kleinen Tierchen sind zwar tot, aber in die Suppe gehören sie trotzdem nicht. Zur Sicherheit wird als nächstes eine fleischlose Nudelsuppe bestellt.

Nach weiteren zwei Stunden Fußmarsch stehen wir plötzlich an der Umgehungsstraße von Jenesien. Unsere Alpenüberquerung ist ganz abrupt und unspektakulär zu Ende gegangen.

An der ersten Pension fragen wir nach einem freien Zimmer. Der Birnbamerhof wird zwar gerade umgebaut aber ist sonst sehr zu empfehlen. Am Nachmittag mache ich noch einige Besorgungen. Am Abend suchen wir die einzige Pizzeria im Ort auf. Mittlerweile ist es wieder in Strömen am regnen. In der Nacht setzen sogar heftige Gewitter ein. Zum Glück haben wir ein festes Dach über dem Kopf.

Donnerstag, der 16.09.04
Das Frühstück bei Frau Schwarz ist wirklich Klasse, Joghurt, O-Saft, Frühstücksei und genügend Wurst und Käse. Zum ersten Mal bin ich beim Frühstück wirklich satt geworden. Um 9:30 Uhr fahren wir mit der Seilbahn nach Bozen. Bis zum Stadtzentrum gehen wir noch ca. ½ h zu Fuß. Wir quatieren uns im Hotel „Weisses Kreuz“ direkt im Stadtzentrum am Kornplatz ein. Es hat zwar nur einen Stern ist aber sehr sauber und die Einrichtung wirkt etwas antiquiert. Da es keine freien Doppelzimmer mehr gibt, belegen wir zwei Einzelzimmer. Als Highlight dieses Tages besuchen wir noch das Archäologische Museum von Bozen, wo der Ötzi seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Auch sonst ist Bozen eine Reise wert. Urige Kneipen in der Altstadt wechseln sich mit modernen Boutiquen ab. Südtiroler Gemütlichkeit gepaart mit italienischer Lebensfreude. Nachdem wir den Tag mit Shopping und herumlungern in Cafes verbracht haben, finden wir abends ein schönes Brauhaus am Obstmarkt, wo das Bier direkt aus den Sudkesseln frisch gebraut auf den Tisch kommt.

Freitag, der 17.09.04
Nach dem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Das Tiefdruckgebiet der vergangenen Tage hat sich verzogen und die Sonne scheint wieder von einem wolkenlosen Himmel herab. Um 8:47 Uhr nehmen wir den Zug nach Meran, dass wir schon um 9:27 Uhr erreichen. Weiter geht es mit dem Bus nach Schenna. Für ca. 7 Km Busfahrt benötigen wir eine gute ½ h. Ein Stau zieht sich von kurz hinter Meran bis hinein nach Schenna. Die Zimmersuche ist ebenfalls etwas problematisch. Das Fremdenverkehrsamt vermittelt uns ein Zimmer mit Etagendusche/WC, alles andere ist so gut wie ausgebucht. Entgegen den anderen Bergorten wirkt Schenna hoffnungslos überlaufen. Die Durchgangsstraße ist vollkommen verstopft und man hört überall das Hupen der genervten Autofahrer. Auf den ersten Blick bin ich wenig begeistert von Schenna.

Nachdem wir es uns in der Pension Rebhang eingerichtet haben, gehen wir zu Fuß nach Meran. In Meran ist heute kulinarischer Markt. Überall bekommt man so manche Leckerei angeboten. So decke ich mich auch mit Wurst und Pastetchen direkt ein. Meran hat schöne Laubengänge, enge Gässchen und wirklich stilvolle Hotels aus der Jahrhundertwende bzw. vorigem Jahrhundert.

Samstag, der 18.09.04
Heute holen wir den Weg auf den Hirzer nach, der am Dienstag der Schlechtwettervariante zum Opfer gefallen ist. Zuerst wandern wir 1 ¼ h nach Saltaus um von dort mit der Hirzer Seilbahn nach Klammeben (1940m) hinauf zu fahren. Über die Hirzer Hütte (1983m) geht es steil über das Hirzerkar auf die Hirzer Scharte (2670m). Auf dem letzten Stück vor der Scharte muss man wirklich klettern. Der Niederschlag der vergangenen Tage ist hier als Schnee gefallen. Dadurch ist es auf einigen Passagen sehr glatt und es gilt aufzupassen. Auf der Hirzer Scharte zeigt sich ein überwältigendes Alpenpanorama. Ortler, Dolomiten mit Rosengarten sind nur einige Berge, die ich erkenne. Danach besteigen wir noch die Hirzer Spitze (2781m). Es geht zuerst ziemlich ausgesetzt steil hinunter auf einen Sattel und anschließend wieder die restlichen ca. 150 Hm auf den Gipfel. Bei dem tollen Wetter machen wir eine ausgiebige Pause und verweilen einige Zeit hier oben. Wieder auf der Hirzer Hütte angekommen genehmigen wir uns den schon lange verdienten Kaiserschmarrn. Die Hirzer Seilbahn bringt uns anschließend wieder nach Saltaus hinunter. Die 1 ½ h Fußweg nach Schenna machen jetzt mit vollem Magen eigentlich keinen Spaß mehr.

Am Abend wird noch ein Anschlag auf meine einzige noch saubere Hose verübt. Der Kellner gießt mir ein volles Glas Hefeweizen über meine Hose. Prost Mahlzeit!

Sonntag, der 19.09.04
Ulrich will den letzten Urlaubstag gemütlich angehen und sich auf dem Herbstfest in Schenna amüsieren. Mich zieht es dagegen noch einmal auf die Berge vor allem da heute wieder Traumwetter ist; der große Ifinger ist heute mein Ziel. Nach dem Frühstück gehe ich zur Talstation der Taser-Seilbahn. Von dort geht es schnell von 820m auf die in 1450m Höhe gelegene Taser-Familienalm. Bis zur Streitweideralm (1560m) verläuft der Weg ziemlich eben. Nach der Alm geht es sehr steil auf die Oswaldscharte (2323m). Dann geht es in einem großen Rechtsbogen unterhalb von Kühleiten (2360m) direkt in den Einstieg des Ifinger´s. Kurz unterhalb des Gipfels (2581m) beginnt ein Klettersteig. Jetzt schmeiße ich das Handtuch, das ist mir wirklich zu heikel. Stattdessen begebe ich mich auf einen kaum tiefer gelegenen namenlosen Nachbargipfel. Ich finde ein schönes Plätzchen auf dem Gipfel und kann die Bemühungen der Ifinger-Gipfelaspiranten am Klettersteig beobachten. Dies ist mitunter sehr interessant. An der ersten Schlüsselstelle, ein ca. 3-4m hoher Felsabtritt scheitern einige aufgrund ihrer Gelenkigkeit bzw. etwas höherem Körpergewicht. Es wird dann von unten gedrückt und geschoben. Am Gipfel angekommen besteht die nächste Schwierigkeit darin, wieder hinunterzukommen. Es geht ca. 20m steil an einem Seil bergab. Hier kann man Bergprofis von den Hobbybergsteigern gut voneinander unterscheiden. Während die einen wie eine Gams sich hinunterhangeln, kann man bei den anderen fast schon aus der Ferne die Knie schlottern sehen.

Vom Gipfel abgestiegen kehre ich erst einmal in die an der Ifinger Bergstation gelegene Alm ein (1900m) und gönne mir eine Buchweizentorte (sehr zu empfehlen). Anschließend fahre ich mit der Ifinger-Seilbahn wieder ins Tal nach Naif (624m). Von der Talstation ist es noch ca. 1h Fußweg nach Schenna. Auch heute habe ich wieder über 1000m Aufstieg und 600m Abstieg hinter mich gebracht. Als ich auf dem Marktplatz Ulrich treffe, genehmige ich mir daher auch erst mal 2 kühle Blonde zum Abschluss der Bergtouren.

Montag, der 20.09.04
Heute heißt es endgültig Abschied nehmen. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus von Schenna nach Meran. Um 9:40 Uhr geht unser Zug nach Bozen. Um 10:30 Uhr geht es dann nach München, dass wir um 14:30 Uhr erreichen. Hier haben wir noch 1 h Aufenthalt. Da in München gerade Oktoberfest ist, genehmigen wir uns ein Helles. Um 15:30 Uhr geht es weiter nach Köln, dass wir um 20:06 Uhr erreichen umso gleich mit der Regionalbahn weiter in Richtung Gummersbach zu fahren. Ulrich steigt in Hoffungsthal aus. Ich erreiche schließlich Gummersbach um 21:35 Uhr und fahre ca. 10 min später mit dem Bus nach Bernberg. Um 22:00 Uhr bin ich dann endlich zu Hause.

So, wieder einmal ist eine Urlaubsreise zu Ende gegangen. Viele Erinnungen werden haften bleiben. Als Highlights fallen mir spontan die Seescharte, Venetberg und die Braunschweiger Hütte ein. Die Braunschweiger Hütte war meiner Meinung nach, die am schönsten gelegene Hütte inmitten einer imposanten Gletscherwelt. Natürlich hatten wir besonders in der ersten Woche absolutes Traumwetter, bei Regen sieht es schon ein bisschen anders aus.

Negativ sind mir dagegen der Rettenbachferner sowie Meran 2000 im Gedächtnis haften geblieben. Hier ist die Zerstörung der Natur aufgrund von Skipisten und-lifte doch schon sehr weit fortgeschritten.

Körperlich ist diese Tour auch nicht ohne. In 11 Tagen haben wir ca. 10.000m Aufstieg und ca. 12.000m Abstieg hinter uns gebracht. Vor allen die langen Abstiege haben mich meine Knie doch spüren lassen. Nicht zu vergessen ist auch, dass man täglich im Schnitt immer 8 bis 10 h auf den Beinen ist und das mit einem 16kg schweren Rucksack. Absolute Notwendigkeit ist m.E. eine absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wem dies alles nicht zu schwer ist, wird einen unvergesslichen Urlaub in den Alpen verbringen.