Fahrradtour durch die Namib Wüste 2005

Die Namib Wüste – eine etwas andere Fahrradtour
Autor / Bildrechte: Fritz Blach

Flughafen Windhoek, am Gepäckband kommen so nach und nach unsere Fahrradtaschen zutage. 6 Stück; alle da. Die Zitterpartie, ob alle Gepäckstücke auch unversehrt eintreffen, ist mal wieder überstanden. Nur unsere Fahrräder, die wieder am Schalter für Sperrgepäck ausgegeben werden, erwarten uns hoffentlich unversehrt. Wir haben nämlich eine Fahrradtour vor durch die Wüste Namib, und da muss das Material stimmen. Aber auch die Räder können wir heile in Empfang nehmen. Nun noch durch die Passkontrolle und durch den Zoll und schon stehen wir in der Sonne Namibias.

Auf dem kurzgeschnittenen Rasen vor der Empfangshalle machen wir uns breit, müssen doch unsere Räder und die Anhänger startklar gemacht werden. Anhänger? Ja. Da wir in der Namib-Wüste damit rechnen müssen, bis zu 3 Tagen ohne Wasser und – Lebensmittelversorgung auskommen zu müssen, wollen wir hinreichend Wasser und Essen mit uns führen. Und das alles passt in Fahrradtaschen nicht hinein.

Die 40 km vom Flughafen nach Windhoek in die Stadt nehmen wir noch mittags unter die Räder und checken in einer gemütlichen Backpackers-Lodge ein. Der Nachmittag vergeht mit dem Einkaufen von Lebensmitteln und dem Verstauen derselben und der ganzen Ausrüstung in den Anhängern.

Am nächsten Morgen schon starten wir unsere Tour, 700 km Wüste und Halbwüste liegen jetzt vor uns. Aber erstmal geht es in die Berge, Kupferbergpass und Gamsbergpass sind die ersten Hindernisse, die sich uns und unseren Rädern, oder besser gesagt Lasteseln, in den Weg stellen. Aber ganz so schlimm, wie es scheint, wird es doch nicht. Da Windhoek auf einem Hochplateau liegt, geht es nur noch ca. 200 Höhenmeter hinauf, und der Kulminationspunkt des Kupferbergpasses ist überwunden. Allerdings lassen sich die gut 50 kg Gepäck dank Newtons Gravitationserfindung auch ganz schön bitten, mit auf den Pass zu kommen. Noch dazu, wo bereits nach 10 km nach Windhoek der raue, aber sonst schöne Asphaltbelag in eine Schotterpiste übergeht. Aber der klare Himmel und die schöne Berglandschaft entschädigen für die Anstrengung.

Um 18 Uhr verlassen wir die Piste und suchen ein schönes Plätzchen für die Zelte. Nach dem Abendessen fallen wir todmüde in den Schlafsack, fremde Tierstimmen wiegen uns schnell in den Schlaf. Der nächste Tag bringt uns nochmals 70 km Schotterpiste, und gegen 18 Uhr erreichen wir die Lodge Weissenfels, auf der wir unsere Salzkrusten abduschen können und auch noch ein kühles Bier genießen dürfen. Denn morgen steht der Gamsbergpass auf dem Programm, angeblich für Radler ein fast unüberwindliches Hindernis.

Früh um 4 Uhr ist Tagwache, wollen wir doch die kühlen Morgenstunden nutzen, um uns dem Pass schon ein gutes Stück zu nähern. Aber bereits um 11 Uhr ist es soweit. Mit 2 bis 3 % Steigung geht es moderat auf den Gamsbergpass und wir stehen auf dem höchsten Punkt. Dafür geht es nämlich jetzt steil und lange bergab. Man muss sich das so vorstellen: Das zentrale Hochland von Namibia, wo auch Windhoek gelegen ist, bricht mit einer steilen Abbruchkante zur Namib-Wüste hin ab. Und so ist der Gamsbergpass von der einen Seite nur über eine lange Serpentinenstrecke, etwa 1200 Höhenmeter werden hier überwunden, zu erreichen. Und von der Inlandsseite her ist es nur eine flache Rampe, die auf der Passhöhe endet.

Jetzt glauben wir, die größte Anstrengung hinter uns zu haben, aber die Durchfahrten durch die Riviere, das sind die Trockenflusstäler, gestalten sich in der Mittagshitze von 35°C extrem schwer. Aber am Abend sind wir sehr glücklich, die Schlüsselstelle unserer Tour so gut gemeistert zu haben.

Was nun folgt sind Tage, die immer dem gleichen Rhythmus folgen. Früh um 4 Uhr Tagwache, um 6 Uhr geht es in den Sattel. Immer wieder folgt die Piste wunderschönen Bergketten, vor denen eine Savannenlandschaft ausgebreitet ist. Antilopen und Strauße haben hier ihren Lebensraum und da wir mit den Rädern lautlos herankommen, kommen wir sehr nah an die Tiere heran.

Die Fahrer der wenigen Fahrzeuge, denen wir begegnen, bringen immer wieder ihre Anerkennung über unsere Leistung zum Ausdruck. Der nach oben gestreckte Daumen motiviert uns immer wieder, durchzuhalten. Plötzlich hält ein Reisebus an und der Fahrer spricht uns an. Er hätte uns schon in Windhoek am Flughafen gesehen und hätte uns höchstens einen Tag gegeben…… Mit unseren drei Anhängern mit den bunten Wimpeln fallen wir aber auch auf.

In Sesriem bleiben wir einen Tag länger, weil wir den berühmten Sterndünen im Sossusvlei einen Besuch abstatten wollen. Die Dünen gelten mit ihren 300 m Höhe als die höchsten Dünen der Welt. Auf jeden Fall vermittelt der Sonnenaufgang in dem rötlichen Sand ein wunderschönes Farbenspiel mit einem tollen Panorama.

In den nächsten Tagen steht uns noch der Zarishoogte-Pass bevor, dann treffen wir in Maltahöhe auf eine Asphaltstraße. Von hier sind es noch gut 110 km, dann haben wir den Endpunkt unserer Wüstendurchquerung ereicht. Von Mariental wollen wir mit dem Zug zurück nach Windhoek reisen. Dort haben wir, als wir mehrere Stunden auf dem Bahnhof auf den Zug warten, wieder ein Erlebnis, was für die Gastfreundschaft in diesem Land so typisch ist. Ein Bahnhofsarbeiter, der im Bahnhofsgebäude eine kleine Wohnung hat, bietet uns wildfremden Menschen an, in seiner Wohnung zu duschen. Wir sind so baff über dieses großzügige Angebot, dass wir es dankend ablehnen. Danach spielen wir mit einer kleinen Kinderschar stundenlang alle mögliche Spiele. Als es dunkel wird, schicken wir die Kinder nach Hause, was sie auch artig tun.

Für den Rest unserer Zeit in Namibia hatten wir uns einen VW-Bus gemietet. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie der Etosha – Park , das Erongo – Gebirge oder das Waterbergplateau gibt es zu bestaunen. Aber Gabi, Micha und ich sind uns einig, dass die Reise mit dem Rad die tieferen Eindrücke hinterlassen hat. Und unterwegs halten wir immer wieder nach neuen Fahrradrouten Ausschau.