Spitzbergen 2005

Skitourenabenteuer in arktischen Breiten
Autor / Bildrechte: Fritz Blach

Der Schlitten ruckelt und zerrt an den Schultergurten bei jedem Schritt. Und bei dieser beißenden Kälte von –28 °C heute Morgen ist der Schnee auch extrem stumpf und selbst mit der ausgefeiltesten Technik gelingt es nicht, den Pulka so zu ziehen, dass er nicht bei jedem Schritt fast stehen bleibt.

Wir sind auf Spitzbergen unterwegs, der Hauptinsel von Svalbard im arktischen Ozean. Wie bereits vor zwei Jahren, sind wir hier unterwegs, um einige schöne Skitouren zu unternehmen.

Gestartet sind wir in Longyearbyen, dem Sitz der Verwaltung dieser Inselgruppe, welche unter norwegischer Verwaltung steht. Aber alle Staaten, welche 1920 den Spitzbergen-Vertrag unterschrieben haben, dürfen zu wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Zwecken auf der Inselgruppe tätig sein. Allerdings ist der Abbau z.B. von Steinkohle kaum wirtschaftlich, so dass nur noch kleine Gruben, vor allem in Pyramiden von den Russen, betrieben werden. Daher kommt es auch, dass auf der gesamten Inselgruppe nur etwa 4000 Menschen leben, die sich das Land im Eis mit ca. 3000 Eisbären teilen müssen.

Nach unserem Start in Longyearbyen im unteren Adventdalen leuchtet schon in der Ferne das eisgekrönte Haupt des Skolten, knapp über 1100 m hoch, in der Sonne. Aber wir wissen, dass uns noch über 25 km von diesem schönen Tourenberg trennen, dem wir vor zwei Jahren einen Besuch abgestattet hatten. Die klare arktische Luft täuscht gewaltig über die wahren Entfernungen. Berge, die zum Anfassen nahe erscheinen, erreicht man erst nach stundenlangem Marsch. Nachdem wir den Skolten passiert haben, biegt das Adventdalen nach Südosten ab. Wir folgen dem Tal noch ein kleines Stück und errichten unser Lager für die kommende Nacht.

Beim Weitermarsch am nächsten Morgen laufen wir in ein sich immer weiter verengendes Adventdalen hinein. Windkolke und steile felsige Abbruchkanten begleiten uns. In den Mittagsstunden stehen wir auf einem kleinen Pass neben dem Tronfjellet. Der Blick auf die verschneite Bergwelt ist fantastisch. Die Oberfläche ist übersät mit funkelnden Eiskristallen und die arktische Sonne überzieht die Landschaft mit einem schimmernden, fast unwirklichen violetten Licht. Das sind die Bilder und Momente, die sich einem unvergesslich ins Gedächtnis brennen und für die zu erreichen keine Strapazen zu groß erscheinen.

Wir wandern noch hinab bis an den Auslauf des Bergmesterbreen und bauen unser Zelt an einer windgeschützten Stelle auf. Am nächsten Tag erreichen wir den Reindalspasset und das riesige Reindalen liegt vor uns. Ein paar Schneehühner beobachten interessiert, wie zwei dick vermummte Skiwanderer die Passhöhe verlassen und in das Reindalen abwärts laufen.

In der nächsten Nacht werden wir vom Rütteln der Zeltplane wach. Ein Sturm ist aufgekommen und treibt die Eiskristalle vor sich her. Das ist kein angenehmes Tourenwetter und so entscheiden wir uns dazu, das schlechte Wetter bei einem Ruhetag auszusitzen. Und wirklich, am nächsten Morgen ist der Sturm abgeflaut und wir marschieren weiter.

Als wir Tage später vom Reindalen, das hier 7 km breit ist, in das Gangdalen abbiegen, sehen wir drei Skiwanderer in der Ferne vorbeiziehen. Die einzigen Menschen, die wir in den 11 Tagen auf Tour sehen sollten. Das Gangdalen führt uns wieder auf einen kleinen Pass, von dem aus wir in der Ferne schon das breite Adventdalen sehen können. Abwärts folgen wir dem Todalen, das uns letztendlich wieder ins Adventdalen zurück führt.

Wir freuen uns schon darauf, evt. morgen wieder in der Zivilisation zu sein. Doch als wir in das Adventdalen einbiegen, bläst uns ein eisiger Wind entgegen. Wir ziehen alles an, was wir an Kleidung dabei haben und schließen die Kapuze soweit, dass nur noch für die Augen ein schmaler Sehschlitz frei bleibt. Bei –40°C ist es auch nicht mehr möglich, die Handschuhe zum Fotografieren auszuziehen. So kehren wir dick vermummt nach 11 wunderschönen Tourentagen in die Zivilisation zurück.

Literatur

Das Spitzbergen Handbuch von Andreas Umbreit enthält in detaillierter und anschaulicher Form Informationen und Tipps zum Reisen auf dem arktischen Archipel.

Karten

Geografische Karten gibt es in großen Maßstäben (1:200000) in guter Qualität in gut sortierten Landkartenhäusern. Karten in kleinerem Maßstab (1:500000) gibt es nur in Schwarz-Weiß.

Reisezeit/Klima

Ich persönlich finde die Monate März und April am günstigsten. Es liegt noch hinreichend Schnee, der Tag ist schon sehr lang (ab dem 20.April Mitternachtssonne in Longyaerbyen) und das Wetter ist meist sonnig. Allerdings kann es noch empfindlich kalt sein.