Tansania 2003

Von der Serengeti auf den Kilimandscharo
25.01. – 11.02.2003

Bildrechte / Autor: Andreas Görlach

Samstag, der 25.01.03
Um 9:00 Uhr steht pünktlich mein Sportsfreund Roman vor der Haustür, um mich zum Bahnhof Köln/Deutz zu bringen. Mein lang gehegter Traum, den Gipfel des Kilimandscharo zu besteigen, nimmt seinen Anfang. Um 10:17 Uhr geht mein Zug zum Frankfurter Flughafen. Ich habe noch genügend Zeit, um für die Reise etwas Marschverpflegung im Deutzer Bahnhof einzukaufen. Die Fahrt mit dem ICE verläuft problemlos und um 11:15 Uhr erreiche ich den Frankfurter Flughafen. Ich mache mich erst einmal auf den Weg zum Schalter von Ethiopian-Airlines. Der Ethiopian Airlines-Schalters befindet sich in der Nähe von mehreren Fluglinien aus dem Nahen Osten, wie IRAN Air, Yemenia Air u.s.w. Daher ist das Sicherheitsaufgebot in dieser Ecke des Flughafens sehr hoch. Langsam treffen auch meine Mitreisenden nach und nach ein. Der Sicherheitsscheck ist sehr gründlich. Einige Miteisende müssen sogar ihre Schuhe ausziehen, um sie untersuchen zu lassen. Am Check-In geht es ebenfalls nicht voran. Warum weiß keiner. Fast geschlagene 2Std müssen wir warten bis wir unser Gepäck aufgegeben und die Bordkarten bekommen haben. So müssen wir uns zum Schluss sogar noch beeilen um unseren Flieger zu erreichen.

Der Flug gestaltet sich allerdings sehr angenehm. Es ist zwar sehr eng, aber die Verpflegung ist gut und der Flug verläuft ruhig. Um 23:15 Uhr treffen wir in Addis Abeba ein. Hier haben wir fast 4 Std Aufenthalt. Ich bin überrascht über den modernen Flughafen hier in Äthiopien. Wir erfahren, dass der Flughafen neu erbaut wurde und gerade einmal vier Tage in Betrieb ist. Die Suche nach einem Cafe gestaltet sich allerdings schwierig. Zu dieser nachtschlafenden Zeit haben die meisten Lokalitäten schon geschlossen. Im Transitraum kommen wir auch nicht in den Genuss der unentgeltlichen Verpflegung, da die Wartezeit zu kurz ist. Gegen bares bekommen wir aber etwas zu trinken.

Sonntag, der 26.01.03
Mit etwas Verspätung geht es jedoch gegen 4 Uhr morgens weiter in Richtung Arusha. Die Maschine ist jedoch nur halb gefüllt sodass jeder genug Platz hat. Überrascht sind wir als wir noch in Entebbe (Uganda) zwischenlanden. Einige Fluggäste steigen aus, aber fast niemand steigt mehr zu. So haben wir auf der restlichen Flugstrecke das Flugzeug fast ganz für uns alleine. Nun sind wir fast 12 Std ununterbrochen im Flugzeug und auf Flughäfen. An Schlaf ist nicht zu denken, da zwischendurch immer wieder Snacks und Drinks gereicht werden. Schläft jemand, wird er sogar von den Stewardessen zwecks Nahrungsaufnahme geweckt.

Endlich! Bei Sonnenaufgang gegen 6:30 Uhr geht die Maschine in Sinkflug. Wir sind im Landeanflug auf Arusha. Und wir sehen den Gipfel unserer Träume, den Kilimandscharo bei Sonnenaufgang von oben. Davor, direkt zum Greifen nah liegt der Mount Meru vor uns. Einfach traumhaft!

Überraschend schnell bekommen wir unser Gepäck. Es ist zum Glück vollständig. Unser Visum wird von einem griesgrämigen Beamten überprüft. Vor dem Flughafen wartet schon der Transferbus um uns zum Hotel nach Moshi zu bringen. Das Gepäck wird umständlich auf dem Dach des Busses verstaut und dann geht es endlich zum Hotel. Die letzten Meter gehen über eine Schotterpiste, dann sind wir im Hotel Springlands in Moshi angekommen. Als erstes gönnen wir uns ein Frühstück, dann werden die Zimmer zugewiesen. Mein Zimmer, das ich mit Harald teile, ist noch belegt. Nach Freiwerden des Zimmers sporne ich das Zimmermädchen mit einem kleinen Trinkgeld an, damit ich nicht noch länger vor der Zimmertür warten muss.

Um die Mittagszeit machen wir eine 2 ½-stündige Wanderung im Hinterland von Moshi. Es ist unwahrscheinlich heiß (ca. 35°C). Das Unangenehme ist aber die hohe Luftfeuchtigkeit von schätzungsweisen 95%. Wir wandern zuerst durch Reisfelder, sodass man meinen könnte wir wären in Indochina aber nicht in Afrika. Dann geht es in den Regenwald. Hier sind wir wenigstens vor der Sonne geschützt. Bald erblicken wir sogar einige Meerkatzen hoch oben in den Bäumen. Die Vegetation ist schon beeindruckend. Hier ist alles viel Größer als zuhause. Durch die Klimaumstellung hat die Wanderung ganz schön geschlaucht. Daher bin ich froh als wir wieder im Hotel ankommen. Der Rest des Tages vergeht mit Erholen und Packen für die Safari. In der Nacht schlafe ich schlecht, da die Luft im Hotelzimmer unerträglich stickig ist.

Montag, der 27.01.03
Nach dem Frühstück holen uns die Jeeps zur Safari ab. 5 Jeeps stehen für uns bereit. Ich teile mir mit Matthias, Michael und Harald einen Jeep. Unser Fahrer ist Robinson. Alles geht sehr langsam vonstatten. Erst einmal werden wir mit ca. 45min Verspätung abgeholt, dann fahren wir zu Zara-Tours, dem örtl. Veranstalter. Dort wird erst einmal Geld zum Tanken geholt. Dann geht es zur Tankstelle. Schließlich muss noch die Verpflegung für die Safari im Supermarkt eingekauft werden. Vorher wird in einer Wechselstube in Moshi das nötige Geld getauscht. Es dauert also bis wir endlich einmal auf der Strasse losrollen. Kurz nach Arusha machen wir noch Halt auf einem Markt. Überall wird einem mehr oder weniger aggressiv in meinen Augen irgendwelcher Ramsch angeboten. Das Lebensmittelangebot ist zwar reichlich, doch schon von der Sonne durchgebratener Fisch oder Fleisch machen nicht gerade Appetit auf mehr. Ich kaufe mir zwei Bananen für 200 Tansania-Schilling. Als ich mit einem 500 tsh Schein (ca.55 Cent) bezahlen will gibt es Probleme mit dem Wechselgeld!

Zur Mittagspause halten wir in einem Andenken Laden. Draußen gibt es manch schattiges Plätzchen, wo wir unsere Lunchpakete verzehren können. Diese bestehen aus Hähnchenschenkel, wie dies in den nächsten 2 ½ Wochen immer sein wird, Banane, Kekse, Toastbrot mit Marmelade, gekochtes Ei und einer kleiner Flasche künstlich aussehender Limonade. Hier entscheiden wir auch, dass wir nicht wie vorgesehen zum Tarangire-Nationalpark sondern zum Lake Manyara fahren. Im Tarangire-NP sollen zurzeit keine Tiere sein. Überdies ist er noch mit Tse-Tse Fliegen verseucht.

Um 16:00 Uhr erreichen wir endlich den Lake Manyara. Die ersten wilden Tiere, die ich erblicke, sind Paviane. Es geht zuerst durch Regenwald. Plötzlich schreitet eine Elefantenherde über den Weg. Ein toller Anblick. Dann lichtet sich der Wald und wir fahren durch offenes Buschland. Ich bin fasziniert von dieser unendlichen Tiervielfalt, die ich so nicht erwartet habe. Giraffen, Zebras, Impalas, Hippos u.s.w. Am See angekommen, erblicken wir eine riesige Schar Pelikane. Die Zeit geht sehr schnell vorüber, da wir um 18:00 Uhr bei Einbruch der Dunkelheit den NP wieder verlassen müssen. Vor den Toren des Lake Manyara NP übernachten wir auf einem Campingplatz. Das Zelt teile ich mit Matthias. Schon bald ziehen dunkle Wolken auf. Kurz darauf geht ein Wolkenbruch nieder. Es gießt wie aus Kübeln. Nach ca. 20 min ist der Spuk vorbei und ein richtiges Treibhausklima entsteht. So müssen wir uns noch von innen kühlen und das eine und andere Bier wird an der Bar vernichtet. Kilimandscharo schmeckt ja noch ganz gut, aber Tusker ist das reinste Schädelbier. So haben einige meiner Kollegen am nächsten Tag auch einen dicken Kopf!

Dienstag, der 28.01.03
Nach dem Frühstück geht es weiter in Richtung Ngorongoro-Krater. War die Strasse bisher noch überwiegend asphaltiert, geht es jetzt über Schotterpisten weiter. Gegen 10:00 Uhr erreichen wir schon den Kraterrand auf 2250 m Höhe. Hier befindet sich auch eine Gedenkstätte für Michael und Prof. Bernhard Grzimek. Vom Kraterrand ergibt sich ein fantastischer Blick ins Kraterinnere. Schon von weitem sind unzählige Tiere zu erkennen. Steil geht es jetzt mit dem Landrover ins ca. 600 m tiefer gelegene Kraterinnere. Hier handelt es sich wirklich um den Garten Eden Afrikas. Wohin das Auge reicht sind wilde Tiere zu sehen. So viele, dass man für die besonders zahlreich vorkommenden Zebras und Gazellen bald überhaupt keinen Blick mehr hat. Die Mittagspause machen wir in der Nähe eines Hippo-Pools. Allerdings tummeln sich hier Scharen von Touristen. Dementsprechend sehen auch die sanitären Anlagen auf diesem Rastplatz aus. Die Toiletten kann man nur mit Gummistiefeln betreten. Nach der Mittagspause sehen wir auch den König der Tiere, den Löwen, zum ersten Mal. Schläfrig döst ein Löwenpärchen in der Sonne. Eingekeilt wird es von den Fahrzeugen. Zu stören scheint es sie allerdings nicht. Von weitem sieht man sogar das fast ausgestorbene Nashorn. Giraffen knabbern in den Baumkronen. Am See sind riesige Flamingo-Schwärme. Sogar Elefanten schaffen den Weg vom Kraterrand ins Innere. Kurz vor Sonnenuntergang verlassen wir ganz überwältigt von der Tiervielfalt den Ngorongorokrater und fahren zu unserem Zeltcamp am Kraterrand.

Im Camp geht ein bewaffneter Ranger Patrouille. Vor dem Schlafengehen wird uns eingeimpft in der Nacht weder die Toiletten im Camp noch irgendwelche Büsche zur Erledigung des Geschäftes aufzuzusuchen. Wir befinden uns mitten in der Wildnis gemeinsam mit den wilden Tieren.

Als ich in der Nacht wach werde, höre ich hinter meinem Zelt ein Schnaufen. Der Wunsch meiner Blase, sich zu entleeren, siegt jedoch. Allerdings trete ich nur einen Schritt aus dem Zelt, zu mehr reicht mein Mut nicht. Sonst kann man endlich einen guten Schlaf finden, da durch die Höhe (2250m) die Temperaturen in der Nacht erträglich sind und es schön frisch ist.

Mittwoch, der 29.01.03
Am nächsten Morgen hören wir, dass Kaffernbüffel uns in der vorigen Nacht besucht haben. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in die Serengeti. Über Schotterpisten geht es durch eine savannenartige Landschaft. Als erstes sehen wir mehrere Giraffen am Wegesrand. Als großes Highlight entdecken wir drei Geparde und machen uns auf ihre Verfolgung. In der Serengeti darf man sogar Off-Road fahren und so kommen wir ganz nah an sie heran. Später treffen wir auf große Hyänenrudel. Wir entdecken sogar einen Bau mit mehreren Jungtieren. An einem See treffen wir auf ein Gnu-Jungtier, was seine Mutter verloren hat. In Reichweite liegt eine Löwin im Dickicht. Wir postieren uns und hoffen Zeuge zu werden wie die Löwin das Gnu reißt. Aber die Löwin tut uns diesen Gefallen nicht und liegt nur müde im Gestrüpp.

Die Mittagspause machen wir an einem exponierten Standort, wo wir die riesige Gnu-Migration beobachten können. Ein nicht endend wollender Strom von Gnu´s zieht an uns vorbei. Leider macht sich heute mein Magen bemerkbar. Eine nicht zu verachtende Diarrhöe hat mich und einige Mitreisende erwischt. Claus bekommt sogar einen leichten Kreislaufkollaps.

Nach dem Mittagessen treffen wir wieder auf das Gnu-Junge am See. Es ist mittlerweile schon total entkräftet und läuft voller Verzweifelung hinter unseren Landrovers her in der Hoffnung, dass wir es adoptieren. Ich würde es sogar mitnehmen, aber Robinson, unser Fahrer, hat kein Erbarmen.

Auf dem Rückweg zum Ngorongorokrater fahren wir durch riesige Gnu-Herden. Kurz vor dem Ausgang aus dem Serengeti-NP treffen wir noch einmal auf etliche Löwen und ein Warzenschwein mit Jungtieren. Bei Sonnenuntergang treffen wir schließlich wieder im Zeltcamp ein.

In der Nacht wache ich auf und denke ich habe einen Traum. Aber ich befinde mich in der Wirklichkeit. Direkt neben meinem Ohr höre ich es scharren, schnaufen und grasen. Ein Büffel grast direkt neben unserem Zelt. Ich bleibe starr liegen und bewege mich nicht einen Millimeter. Ich hoffe nur, dass der Büffel schnell alles vor unserem Zelt abgegrast hat und weiterzieht. Büffel in Panik würden das ganze Zeltcamp platt walzen. So bin ich heilfroh als die Kaugeräusche sich langsam von unserem Zelt entfernen.

Donnerstag, der 30.01.03
Am Morgen erfahre ich, dass sich drei Büffel im Camp befunden haben. Nach dem Frühstück geht es zuerst einmal in ein Massaidorf. Dort wird uns von den Männern und Frauen jeweils getrennt eine Tanz- und Gesangsvorführung präsentiert. Im Dorf wimmelt es nur so vor Fliegen. Den Kindern kriechen die Fliegen in alle Körperöffnungen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Fliegen gesehen.

Wir besichtigen auch das Innere einer Hütte. Diese sind, wie ich vermute, aus Lehm und Ästen errichtet. Bei Eintritt erkenne ich zuerst einmal überhaupt nichts, so dunkel ist es. Erst langsam gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit und ich erkenne, dass ich gerade auf dem Nachtlager sitze. Das Licht fällt nur durch spärliche Lichtschächte ein. In der Mitte der Hütte glimmt ein Feuer, bzw. eine Glut. Es ist angenehm kühl in der Hütte jedoch unwahrscheinlich eng. Draußen verkaufen die Massai auch Ketten, Masken, Speere, Messer etc. Ich bin doch ein wenig schockiert unter welchen primitiven Bedingungen die Massai leben, wobei man bedenken muss, dass es sich hierbei noch um ein Vorzeigedorf handelt. Schon allein wegen der Fliegen bin ich heilfroh als wir wieder von dannen ziehen.

Jetzt machen wir uns auf den langen Rückweg nach Moshi. Gegen Abend erreichen wir wieder unser Hotel Springlands in Moshi. Das Hotelzimmer teile ich diesmal mit Claus aus Stuttgart. Der restliche Tag vergeht mit Sitzungen auf der Toilette und Packen für den Mt. Meru.

Freitag, der 31.01.03
Am Morgen holen uns zwei Busse ab, um uns zum Momella-Gate am Fuße des Mt. Meru zu bringen. Wie schon am Beginn der Safari beginnt das übliche Szenario: Gepäck verstauen, Abstecher zu Zara, tanken, Supermarkt u.s.w. Vor dem Momella-Gate erwartet uns eine Piste übelster Art. Um kurz nach 12:00 Uhr erreicht unser Bus das Momella-Gate. Wir machen es uns erst einmal im Schatten bequem und warten auf den zweiten Bus. Aber der kommt nicht. Wir warten und warten. Endlich eine Nachricht. Der zweite Bus hatte eine Reifenpanne. Wir nehmen es mit schwarzem Humor. Nur schade, dass unsere drei Bergführer mit Essen und Trinken im anderen Bus sitzen. Endlich um kurz vor 16:00 Uhr erscheint der zweite Bus. Er hatte nicht nur eine Reifenpanne, sondern deren gleich zwei kurz hintereinander. Nach dem das Organisatorische erledigt ist, das Gepäck gewogen und auf die Träger verteilt ist, geht es um 16:15 Uhr endlich los. Wir müssen uns beeilen um im Hellen noch die Miriakamba Hut zu erreichen. Dies ist nicht gerade für die Höhenanpassung zuträglich. Da wir bis zur Saddle Hut auf Büffel treffen können, geht ein bewaffneter Ranger mit. Wir queren auch direkt die Büffelwiesen. In ca. 100m Entfernung liegt eine riesige Büffelherde. Jetzt geht es langsam bergauf durch Regenwald. Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf den benachbarten Kilimandscharo. Er wirkt schon respekteinflößend mit seiner Schneekappe. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir nach 2 ½ h Wanderung die Miriakamba Hut auf 2500 m Höhe. Schon bald nach Einbruch der Dunkelheit wird es bitterkalt, sodass wir unsere Mahlzeit im Hüttenvorraum einnehmen. Es ist zwar sehr eng, dafür aber warm. Die Küchenmannschaft hat ein sehr schmackhaftes Essen auf die Beine gestellt.

Samstag, der 01.02.03
Nach dem Frühstück geht es weiter zur Saddle Hut (3500m). Es sind ca. 1000m Höhenunterschied zu überwinden. Pole, Pole (langsam, langsam) ermahnt uns unser Guide Lamek. Für eine optimale Höhenanpassung ist es wichtig, dass man nicht außer Atem kommt und sich langsam in höheren Lagen fortbewegt. Darüber hinaus ist es wichtig, dass man am Tag ca. 5 Liter Wasser in sich hineinschüttet. Zu meinem Leidwesen habe ich zu wenig Wasser dabei. Ich habe meine 2 x 1L Sigg-Flaschen recht schnell aufgebraucht. Am Morgen, als ich noch Mineralwasser an der Hütte dazukaufen will, ist alles ausverkauft. Zum Glück sind wir schon nach ca. 4 h Marsch gegen 13:00 Uhr an der Saddle Hut und können uns in der Sonne aalen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause besteigen wir um ca. 15:00 Uhr den kleinen Mt Meru (3820m). Dies ist für eine bessere Höhenanpassung von Vorteil (Walk high, sleep down). Wir gehen aber wiederum viel zu schnell, sodass wir von unserem Guide scharf ermahnt werden. Nach ca. 1h sind wir am Gipfel angelangt. Hier hat man einen schönen Blick auf den Mt Meru und den morgigen Aufstiegsweg am Kraterrand entlang. Schon jetzt sieht man, dass die Gipfeletappe ein langer Weg sein wird. Nachdem wir den Gipfelblick ausgiebig genossen haben geht es an den Abstieg, der in ca. einer ½ h bewerkstelligt ist. Jetzt macht sich auch die Höhe bemerkbar. Ich bekomme mehr oder weniger starke Kopfschmerzen. Dagegen hilft nur Aspirin. Da morgen früh die erste Gruppe schon gegen 2:00 Uhr aufbricht gehen wir direkt nach dem Abendessen schlafen. An Schlaf ist bei mir nicht zu denken. Dies hat bei mir mehrere Gründe. Zum einen schlafe ich im Doppelbett oben, was überhaupt das erste Mal ist, zum anderen sind die Betten so schmal, dass ich Angst habe herauszufallen. Den Rest besorgt die Höhe.

Sonntag, der 02.02.03
Da ich in der zweiten Gruppe mitgehe, kann ich bis 1:45 Uhr liegen bleiben. Nach einem kargen Frühstück brechen wir um 2:45 Uhr auf. Gut geht es mir nicht gerade. Gegen die Kopfschmerzen nehme ich wiederum eine Aspirin. Bis zum Rhinopoint (3800m) geht es gemächlich bergauf. Jetzt kann man sich noch auf den Sternenhimmel konzentrieren. Die Nacht ist sternenklar und die Milchstrasse ist als weißes Band zu erkennen. Einfach grandios. Zuhause wird man so einen Sternenhimmel nicht zu Gesicht bekommen. Am Rhinopoint befindet sich ein Rhinoschädel, von dem man nicht weiß wie er dort hinaufgekommen ist. Danach wird der Weg schwieriger. Es geht erst einmal wieder bergrunter, wobei wir Kletterpassagen im I- und II Grad passieren müssen. Nach kurzer Zeit versagt meine Stirnlampe ihren Dienst, gerade jetzt. Norbert geht vor mir her und ist so freundlich mir den Weg zu leuchten. Im Dunkeln müssen wir sehr konzentriert gehen und öfters mal die Hände zu Hilfe nehmen. Der Weg ist sehr beschwerlich. Es geht nicht stetig bergauf sondern immer hoch und runter am Kraterrand entlang. Bei Sonnenaufgang befinden wir uns auf ca. 4000m Höhe. Mir ist es auf dieser Höhe noch nie so schlecht gegangen. Wie ich die restlichen 550 Höhenmeter bis zum Gipfel schaffen soll ist mir ein Rätsel. Ich bin jedenfalls schon jetzt total platt. Trotzdem gehe ich langsam weiter und weiter. Direkt hinter mir gehen Andi und Claus, denen es auch nicht gerade gut geht. Immer wieder bleibe ich stehen um zu Hyperventilieren. Für kurze Zeit geht es mir danach besser und der Brechreiz lässt nach. Je höher wir kommen umso häufiger bleibe ich stehen weil ich einfach keine Luft mehr bekomme. Die letzten 100m vor dem Gipfel kann man von Gehen schon nicht mehr sprechen. Es ist mehr ein Kriechen. Trotzdem haben wir es geschafft. Um 8:45 Uhr stehe ich auf dem Gipfel des Mt. Meru auf 4566m. Ein hartes Stück Arbeit. Wie erschlagen lasse ich mich am Gipfelaufbau nieder. Einen Power-Bar Riegel bekomme ich trotz Übelkeit hinunter. Ganz schuldlos an meiner Lage bin ich freilich nicht. Da das Wasser in meinen Sigg-Flaschen eiskalt ist, habe ich viel zu wenig getrunken. Bei jedem Schluck eiskalten Wassers krampft sich mein Magen zusammen.

Am Gipfel ist die Sicht hervorragend. Der schneebedeckte Kilimandscharo liegt direkt in der Sonne vor uns. Langsam trifft auch die gesamte Gruppe ein. Es werden eine Menge Gipfelfotos geschossen und es wird sich in das Gipfelbuch eingetragen.

Schatten des Mount Meru

Schatten des Mt Meru

Gegen 9:15 Uhr mache ich mich an den Abstieg. Beim Abstieg treffen wir auf zwei Australierinnen, die mir am Gipfel schon aufgefallen sind. Ein Mädchen hat enorme Höhenprobleme und will einfach nicht mehr weitergehen. Zum Glück hat Norbert, unser Bergführer, Diamox gegen Höhenkrankheit dabei. Nach Verabreichung von Diamox und gutem Zureden schafft er es, die Australierin zum weiteren Abstieg zu bewegen. Ein Verbleiben auf dieser Höhe hätte die schlimmsten Konsequenzen für das Mädchen haben können. Auch bei mir lassen Übelkeit und Kopfschmerzen mit dem weiteren Abstieg nach. Dafür wird es jetzt wo die Sonne immer höher steht, unerträglich heiß. Beim Abmarsch heute Nacht lagen die Temperaturen bei ca. 0°C Grad, weswegen wir uns richtig warm angezogen hatten.Vor dem Rhino-Point passieren wir die schwierigen Passagen problemlos. Leider müssen wir jetzt ca. 150 Höhenmeter zum Rhino-Point aufsteigen. Daher entledige ich mich erst einmal der warmen Gore-Tex-Klamotten und kleide mich sommerlich. Auch die Anstrengungen der Nacht machen sich jetzt bemerkbar. Jedenfalls quäle ich mich am Rhino-Point ganz schön. Schade, man hat nämlich von dort einen schönen Blick ins Kraterinnere, besser sogar als vom Gipfel. Aber dafür habe ich jetzt keine Augen. Total fertig erreiche ich um ca. 13:00 Uhr die Saddle Hut.

In der ausgiebigen Mittagspause werden wir von unserer Küchencrew gut bekocht, sodass ich wieder zu Kräften komme. Zwei Fläschen Coca Cola bringen meinen Kreislauf auch wieder auf Touren, der total im Keller war. Als es an den weiteren Abstieg geht, bin ich wieder relativ fit. 2 ½ h Stunden Abstieg stehen uns bis zur Miriakamba Hut noch bevor. Der anschließende Abstieg beträgt immerhin noch 1000 Höhenmeter. Entsprechend merke ich meine Knie. Nach ca. 11 ½ h reiner Gehzeit ist ein langer Wandertag zu Ende. Nach dem Abendessen lege ich mich direkt hin und schlafe auch bis zum nächsten Morgen sehr gut.

Montag, der 03.02.03
Nach dem Frühstück machen wir uns um 8:00 Uhr an den weiteren Abstieg zum Momella-Gate. Die Wanderung ist ein reiner Genuss. Wir wandern durch Regenwald und kommen noch an einem schönen Wasserfall vorbei. Als wir die Büffelwiesen überqueren wollen, stehen Unmengen von Büffel am Wegesrand. Als unser Ranger mit den Fingern pfeift, nehmen die Büffel Reißaus. Nicht weit entfernt befinden sich auch Giraffen. Wir nähern uns ihnen langsam. Eine Wanderung an Büffeln und Giraffen vorbei und im Hintergrund der Kilimandscharo, das hat schon was. Ein traumhafter Anblick.

Um 10:00 Uhr erreichen wir das Momella-Gate wo die Busse schon auf uns warten. Gegen Mittag sind wir wieder im Springlands. Hier habe ich diesmal ein Einzelzimmer erwischt. Heute sind Erholen und Packen für den Kilimandscharo angesagt. Am Abend werden die Urkunden für die erfolgreiche Mt Meru-Besteigung überreicht. Überdies findet das Briefing für die Kilimandscharo-Besteigung statt, wo uns Norbert wichtige Tipps gibt. Jetzt teilt sich die Gruppe. Zwei Gruppen wählen die leichtere Marangu-Normalroute. Ich habe mit 9 anderen Mitreisenden die schwierigere, aber dafür interessantere Lemosho-Route gewählt. Morgen müssen wir schon früh raus aus den Federn, da uns um 7:00 Uhr der Bus schon abholen will. Daher gehe ich heute schon früh schlafen.

Dienstag, der 04.02.03
Am nächsten morgen ist der Bus natürlich noch nicht um 7:00 Uhr beim Hotel. Wie selbstverständlich kommt er erst um 7:45 Uhr. Jetzt beginnt das gleiche Procedere wie vor der Safari und dem Mt Meru. Dann geht es erst einmal zum Londorossi Gate. Der Weg ist sehr lang und auf dem letzten Teilstück sehr schlecht. Hier müssen wir uns erst einmal mit Heimatadresse, Beruf etc. einschreiben. Vom Londorossi Gate geht es jetzt wieder bergab zu den Lemosho-Glades. Der Weg wird immer schlechter. Hier hätten eigentlich Jeeps zum Einsatz kommen müssen. Eine andere Reisegruppe von Zara hat es besser gemacht. Sie überholen uns mit ihren Landrovern. Überdies verfahren wir uns auch noch. Jetzt muss der Bus erst einmal eine Wendemöglichkeit finden. Nach einem umständlichen Wendemanöver sind wir wenigstens schon mal wieder auf dem richtigen Weg. Nach kurzer Zeit geht es beim besten Willen mit dem Bus nicht mehr weiter. Wir steigen aus und das Gepäck wird auf die Träger verteilt. Dieses Ereignis lassen sich die Kinder aus dem angrenzenden Dorf nicht entgehen. Neugierig werden wir beäugt. Leere Plastikflaschen und Teile des Lunchpaketes geben wir den Kindern, die sich sehr darüber freuen. Unvorstellbar in welchen Behausungen die Bevölkerung hier wohnt und welche Armut hier herrscht.

Wohl oder übel machen wir uns zu Fuß auf den weiteren Weg. Über Schotter- und Sandpisten geht es durch Dörfer mit einfachen Holzhütten und über bewirtschaftete Felder. Alles ist irgendwie unwirklich. Ich komme mir vor wie in einer anderen Welt. Die Landrover haben die andere Reisegruppe bereits zu den Lemosho-Glades gebracht und kommen uns jetzt zu Hilfe. Der Wagen in dem ich sitze hat jedoch an Steigungen Probleme, der Motor säuft immer ab. Bei Zara klappt wirklich gar nichts, aber wir nehmen alles mit Humor. Wir sind schließlich in Afrika. Nach mehren Anläufen überwinden wir die jeweiligen Steigungen und erreichen gegen 14:00 Uhr den Ausgangspunkt unserer Tour, die Lemosho-Glades (2100m). Da die Zeit sehr weit fortgeschritten ist, müssen wir uns jetzt beeilen. Uns steht noch ein ca. 4-5 stündiger Fußmarsch bis zum ersten Camp bevor. Das Gepäck wird auf die Träger verteilt, das mitgebrachte Wasser aufgeteilt und die Lunchpakete schnell verzehrt, bevor wir uns um ca. 14:15 Uhr auf den Weg machen.

Die Gruppe besteht neben mir aus Benjamin, Christoph, Tina, Sonja, Malte, Claus, Andi, Max, Walter und Hans, unserem deutschen DAKS-Bergführer. Daneben haben wir 15 Träger, 2 Köche, Ali als Second Guide sowie Masoud als First Guide dabei.

Es geht durch dichten Regenwald und ab und zu müssen wir durch dicken Morast waten. An einer Stelle werden Elefantenspuren im Matsch sichtbar. Schade, dass wir uns so beeilen müssen. Ich hätte diese urwüchsige Landschaft gerne intensiver genossen. Alles ist in sattem Grün getaucht. Überall stehen meterhohe Farne und Schlingpflanzen hängen von den riesigen Bäumen herab. Dazu kommt noch, dass uns auf diesem ersten Teil der Wanderung kein Mensch begegnet. Kurz nach passieren des Forrest-Camp machen auch wir plötzlich halt. Überrascht vernehmen wir, dass wir hier unsere Nacht verbringen werden. Das ursprünglich vorgesehene Camp würden wir erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen, was unserem Guide zu gefährlich ist, da in diesen tieferen Lagen Elefanten und Büffel sich noch befinden. Nach Einbruch der Dunkelheit auf einen Elefanten zu treffen, ist bestimmt nicht lustig. So campieren wir jetzt mitten im Urwald. Um den Zeltaufbau kümmert sich unsere Crew. Es besteht jedoch ein Mangel an Heringen, sodass Äste herhalten müssen. Hauptsache man hat ein Toilettenzelt dabei. Das Küchenzelt ist ebenfalls viel zu klein, alle Mann finden nur schwerlich Platz. Die Bestuhlung ist ebenfalls mehr oder weniger eine Katastrophe.
Die Crew ist jedoch sehr zuvorkommend und liest uns jeden Wunsch von den Lippen ab. Beim Eintreffen im Camp wird uns jedes Mal direkt warmes Wasser gereicht und über die Kochkünste unter diesen Bedingungen kann man ebenfalls nicht klagen. Besonders lecker sind die Pfannkuchen.

Einen Träger sehe ich hier noch mit Badelatschen herumrennen. Ihm vermache ich meine alten Bergschuhe. Er ist sehr dankbar (Asante sana) und die Freude ist ihm anzusehen.

Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es doch schon empfindlich kalt und so ziehen wir uns bald in unsere Zelte zurück. Mein Zelt teile ich auf dieser Tour mit Claus.

Mittwoch, der 05.02.03
Da wir heute einen langen Wandertag vor uns haben, gehen wir auch schon um 7:30 Uhr los. Die gestern versäumte Wegstrecke gilt es heute wettzumachen. Langsam weicht das dichte Buschwerk zurück und die Bäume werden niedriger. Je höher wir kommen umso mehr geht die Vegetation zurück. Es geht steil bergauf in Richtung Shira-Plateau. Gegen Mittag erreichen wir Shira Camp I. Über das Shira-Plateau ziehen Nebelschwaden und hüllen den Gipfel des Kibo in Wolken. Das Shira-Plateau ist außer ein paar niedrigen Büschen, Flechten und Moose fast vollkommen vegetationslos. Es handelt sich um eine schwarze Sandwüste, die mit Millionen schwarzer Steinbrocken übersät ist. Es geht jetzt nur noch gemächlich bergauf. Nachmittags beginnt es sogar zu regnen. Es wird jetzt empfindlich kalt. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Shira Camp II auf 3840m Höhe. Die Zelte werden teilweise mit Steinen gesichert. Zum Glück hält sich der Wind in Grenzen. Neben uns schlagen zwei junge Dänen ihr Zelt auf. In der Nacht bekommt einer von Ihnen große Höhenprobleme und übergibt sich ständig. Durch die Besteigung des Mt Meru sind wir schon gut akklimatisiert und haben auf dieser Höhe keine Probleme. Langsam wird aber der Staub bzw. die Vulkanasche lästig. Feuchte Einwegwaschlappen schaffen ein wenig Abhilfe. So kommt wenigstens ein bisschen das Gefühl von Sauberkeit auf.

Donnerstag, der 06.02.03
Nach dem Frühstück geht es steil bergauf bis zum Lava-Tower auf 4600m Höhe. Hier ist es ungemütlich kalt und es beginnt zu regnen. Man hat die ganze Zeit einen schönen Blick auf die imposante Western Breach Wall. Dieser Aufstiegsweg ist nur den Bergsteigern vorbehalten. Danach geht es wieder steil hinunter bis auf 3950m in das Barranco-Camp. Das Barranco-Tal ist wie eine grüne Oase im Einerlei der Steinwüste. Überall wachsen Senecien. Im Abendlicht hat man einen gigantischen Blick auf den schneebedeckten Kibo-Gipfel und den morgigen Aufstiegsweg über „Breakfast“. Diese steile Wand wird Breakfast genannt, weil der Aufstieg direkt nach dem Frühstück erfolgt. Langsam zieht Nebel in das Barranco-Camp und es fängt sogar an zu nieseln. In der Nacht sieht man vom Barranco-Camp die Lichter von Moshi hinaufleuchten.

Freitag, der 07.02.03
Direkt nach dem Frühstück folgt der schwerste Tagesabschnitt. Vom Barranco-Camp geht es in ca. 1 ½ h eine 700m steile Bergwand, genannt Breakfast, hinauf. Hier muss man auch schon mal die Hände zu Hilfe nehmen. An einer Stelle benötigen wir sogar die Hilfe von Hans, unserem Bergführer, der uns zeigt, wie wir die Füße zu setzen haben. Danach geht es wieder steil hinab ins Karanga-Tal. Hier gibt es das letzte fließende Wasser vor dem Gipfel. Vom Karanga-Tal geht es wieder steil hinauf, bis ins Barafu-Camp. Dieses stete Auf- und Ab hat mich total geschlaucht. Dazu kommt auch noch, dass wir uns jetzt auf einer Höhe von 4600m befinden. Langsam kommen auch die typischen Höhenkopfschmerzen. Beim Abendessen habe ich überdies überhaupt keinen Appetit und ein Übelkeitsgefühl kriecht langsam in mir hoch. Lustlos stochere ich in meinem Essen herum, um wenigstens ein paar Bissen hinunter zu kriegen. Innerlich habe ich die Besteigung schon abgehakt. Die Symptome sind mir von meiner Nepal-Reise vor drei Jahren nur allzu bekannt. Erst einmal hoffe ich auf die Wirkung von Aspirin Direkt. Ziemlich frustriert lege ich mich gegen 18:00 Uhr schon schlafen. Unter meinen Kopf lege ich fast meine komplette Kleidung. Ein hochliegender Oberkörper soll der Höhenkrankheit vorbeugen bzw. für Besserung sorgen.

Um 20:45 Uhr werde ich wach. Draußen gehen Graupelschauer nieder. Gegen 21:30 Uhr hört es auf zu schneien. Ich schäle mich aus meinem Schlafsack um meine Blase zu entleeren. Langsam ziehen die dicken Wolken fort und der klare Sternenhimmel kommt zum Vorschein. Von unten scheinen sogar die Lichter von Moshi bis hier hoch. Am meisten freut mich, dass die Höhensymptome verschwunden sind. Kopfschmerzen habe ich nur noch ganz leichte und das Übelkeitsgefühl ist komplett verschwunden. Ich fühle mich prächtig. Mit diesem Hochgefühl lege ich mich wieder in meinen Schlafsack. Wegen der Höhe und natürlich der Nervosität wegen der bevorstehenden Gipfelbesteigung schlafe ich nicht mehr ein. Um 23:30 Uhr stehen wir auf und machen uns fertig für den bevorstehenden Gipfelsturm. Im Küchenzelt gibt es ein kleines Frühstück mit Tee, Keksen und Popcorn. Leider hat es Malte mit der Magen-Darminfektion erwischt. Er fühlt sich jedoch stark genug für den Gipfelsturm.

Samstag, der 08.02.03
Um 0:15 Uhr brechen wir auf. Es ist eine wunderschöne sternenklare, kalte Nacht. Masoud geht vorne weg und wir folgen langsam. Pole, Pole. Ganz langsam und stetig geht es in Serpentinen den Berg hinauf. In den kurzen Trinkpausen steigt die Kälte langsam in die Zehen und Finger. Selten vorher war mir so kalt. Der Sternenhimmel mit der deutlich erkennbaren Milchstraße entschädigt alleine für die Strapazen. Denn es ist unwahrscheinlich steil. Die Stirnlampen der anderen Gruppen sehen wir fast senkrecht über uns. Einige Gruppen überholen uns. Unter uns knirscht der Vulkansand. Zum Glück ist er gefroren, sodass wir einigermaßen Halt finden und wenig rutschen. Ich selber brauche meine Stirnlampe gar nicht anmachen, so hell ist es. Ganz langsam gewinnen wir an Höhe. Unwirklich sehen wir unter uns die Lichter von Moshi. Die Nacht ist so klar, dass sie bis hier hoch leuchten.

Die Höhe bekomme ich nun deutlich zu spüren. Ich habe Probleme, das Gleichgewicht zu halten und gehe leicht schwankend. Mit Hilfe meiner Treckingstöcke kann ich diese Koordinationsstörungen ausgleichen. Schnelle (Kopf-)bewegungen rufen sofort Schwindel hervor. Wenn ich das Gefühl habe mir wird Übel hole ich tief Luft. Sofort geht es mir dann besser. Kurz vor dem Kraterrand nimmt die Steilheit noch zu. Ich habe das Gefühl eine waagerechte Wand hochzugehen.

Endlich! Um 6:30 Uhr haben wir es geschafft. Wir haben den Stella Point und damit den Kraterrand erreicht. Wie in einem kitschigen Spielfilm geht die Sonne genau zu diesem Zeitpunkt hinter dem Mawenzi auf. Diesen Anblick zu beschreiben ist einfach unmöglich, mir fehlen einfach die Worte. Überglücklich fallen wir uns in die Arme. Das härteste Stück Arbeit ist geschafft. Nachdem wir uns erholt haben gehen wir in Richtung Uhuru-Peak. Jetzt geht es nur noch leicht ansteigend aufwärts. Wir haben jetzt sogar einen Blick für die Umgebung. Weit schweift der Blick über die afrikanische Steppe. Direkt unter uns befinden sich riesige Eisfelder. Dann noch der strahlend blaue Himmel. Mit Worten ist es einfach nicht zu beschreiben.

Um 7:15 Uhr stehen wir auf dem Uhuru-Peak, dem höchsten Punkt Afrikas. 5892m über dem Meeresspiegel! Eine Unmenge von Gipfelfotos wird gemacht, um den Gipfelsieg zu dokumentieren. Es ist auch ein Sieg über den inneren Schweinehund. Einen gewissen „Kick“ kann ich nicht verhehlen. Stolz bin ich darauf, trotz aller psychischen und physischen Belastungen den Gipfel erreicht zu haben. So hoch war ich wie noch nie im Leben zuvor. Und es geht mir hier oben richtig gut. Ein richtiges Hochgefühl bemächtigt sich meiner. Jetzt macht sich die gute Akklimatisation durch die vorherige Besteigung des Mt Meru und die gute Höhenanpassung bei der Lemosho-Route bemerkbar. Alle Mann (Frau) schaffen den Gipfel. Sogar Malte hat es, wenn auch mehr schlecht als recht, mit seiner Magen-Darminfektion auf den Gipfel geschafft. Wenn man bedenkt, dass die übliche Ausfallquote 60% beträgt, ist dies sensationell. Anderen Gruppen geht es nicht so gut. Einige werden fast besinnungslos von ihren Führern regelrecht hochgeschleppt.

Uhuru Peak, 5892m, höchster Gipfel Afrikas

Uhuru Peak, 5892m, höchster Gipfel Afrikas
Von links, obere Reihe: Masoud (1st Guide), Hans (dt.Bergführer), Walter, Andi, Andreas, Ali (2nd Guide); Untere Reihe: Tina, Christoph, Sonja (halb verdeckt), Max und Benjamin. Nicht auf dem Foto: Malte, Claus (er hat das Foto geschossen)

Nachdem wir die Gipfelfreuden ausgiebig genossen haben, machen wir uns gegen 7:45 Uhr wieder an den Abstieg. Vom Stella-Point geht es wieder steil abwärts. Da der Lavasand jetzt aufgetaut ist, können wir praktisch den ganzen Hang herunterrutschen. Wir verlieren rasch an Höhe und kommen nach 3h Abstieg um ca. 11:00 Uhr wieder im Barafu-Camp an. Von der zurückgebliebenen Mannschaft werden wir begeistert mit einem Begrüßungstrunk empfangen. Ich bin allerdings so erschöpft, dass ich auf einem Stein, auf dem ich sitze, einnicke. Die Mannschaft hat uns ein tolles Mittagsmenü gekocht. Es gibt erst eine Suppe und später sogar Pommes frites. Der Appetit ist allerdings wegen der Höhe noch nicht zurückgekehrt und so bekomme ich fast nichts herunter.

Um 13:00 Uhr machen wir uns an den weiteren Abstieg ins Mweka Camp. Mit abnehmender Höhe nimmt auch die Vegetation wieder zu. Der Weg wird gerade neu angelegt und ist am Anfang noch trocken und angenehm zu gehen. In tieferen Lagen wird es jedoch steiler und rutschiger. Um 15:30 Uhr kommen wir im Mweka-Camp (3100m) an. Übermüdet, erschöpft aber doch glücklich, es geschafft zu haben. Wir haben heute immerhin ca. 1300m im Aufstieg und 2800m im Abstieg in ca. 13 h hinter uns gebracht! Wahrlich kein Pappenstiel. Im Camp outet sich Claus damit, dass er heute Geburtstag hat. Daher gibt er erst einmal eine Runde Kilimanjaro-Bier aus. Jetzt schmeckt auch mir das Bier wieder. Das Mweka-Camp ist eine ziemlich feuchte Angelegenheit. Hoffentlich gibt es keinen Regen. Nach dem Abendessen geht´s auch direkt in die Zelte zum schlafen. Um 19:30 Uhr bin ich schon sanft entschlummert.

Sonntag, der 09.02.03
Heute haben wir bis 6:30 Uhr und damit über 10h geschlafen. Leider macht sich mein Magen heute Morgen bemerkbar und ich muss noch vor dem Frühstück in die Büsche. Nach dem Frühstück geht es auf der letzten Etappe noch einmal 2 h durch dichten Regenwald zum Mweka-Gate. Um 10:00 Uhr erreichen wir das Gate. Jetzt erwartet uns noch einmal die Bürokratie. Wie am Londorossi-Gate müssen wir uns mit Beruf, Pass-Nr. u.s.w. in einer Kladde eintragen. Ordnung muss halt sein. Am Busparkplatz wird die Trinkgeldzeremonie abgehalten. Schon auf dem Weg dorthin werden wir von Verkäufern belagert, die T-Shirts, Karten, Schmuck etc. an den Mann bringen wollen. Mich nervt es ungemein. Hier unten ist es auch wieder ungemein heiß, nicht mein Klima.

Der Abschied von unserer Mannschaft ist überaus herzlich. Dann geht es in einer kurzen Fahrt wieder ins Hotel Springlands. Ich freue mich nach 6 Tagen wieder auf eine schöne Dusche. Da ich wieder ein Einzelzimmer bekommen habe, kann ich unendlich lange unter der Dusche stehen. Ich muss auch mehrere Waschvorgänge vornehmen um den ganzen Dreck von der Haut abzubekommen. Anschließend stürze ich mich noch in den Swimming-pool. Am Abend überreicht uns Hans bei Bananenbier unsere Gipfelurkunden. Das Bananenbier, als absoluter Leckerbissen angepriesen, erweist sich leider als Ladenhüter. Kaum jemandem schmeckt es und nach ein paar Schlucken gehen halbvolle Gläser zurück. Danach wird noch bei richtigem Bier gefeiert. Jetzt kann man endlich einmal unbesorgt alles Essen und Trinken ohne gleich Angst haben zu müssen, sich den Magen zu verderben. Auf die Nacht im Bett freue ich mich schon. Da es aber unendlich heiß im Zimmer ist, kann ich trotz eingeschaltetem Ventilator nicht gut schlafen.

Montag, der 10.02.03
Endlich haben wir einmal Zeit und Muße um in Ruhe zu frühstücken. Nach dem Frühstück suche ich mir ein schattiges Plätzchen auf der Gartenterrasse um zu relaxen. Einige fahren noch in die Stadt um die letzten Einkäufe zu erledigen. Später kommt Masoud ins Hotel um von uns nicht mehr benötigte Bekleidung abzuholen. Diese haben wir unserer Mannschaft spendiert, da es in Tansania an fast allem fehlt, was man für eine Bergtour benötigt. Zum einen, weil es diese Dinge hier nicht zum kaufen gibt, zum anderen weil das Geld einfach nicht da ist.

Nach unserer Henkersmahlzeit holt uns der Bus um 15:00 Uhr ab um uns zum Flughafen zu bringen. Hier splittet sich schon unsere Reisegruppe. Einige fliegen später nach Amsterdam, Tina und Claus verlängern ihren Urlaub und fliegen nach Sansibar.

Um ca. 18:45 Uhr startet unsere Maschine nach Addis Abeba mit Zwischenstop in Nairobi. Hier steigen viele Araber zu. Ich muss beim Anblick der langen Bärte und der Djellabahs unwillkürlich an die Taliban denken. Wir landen jedoch wohlbehalten in Addis Abeba um 21:30 Uhr. Zu unserem Leidwesen müssen wir feststellen, dass der Weiterflug nach Frankfurt sich um eine Stunde auf 0:55 Uhr verzögert.

Dienstag, der 11.02.03
Um kurz nach 1:00 Uhr können wir endlich ins Flugzeug. An Schlaf ist leider nicht zu denken, da es einer Mitreisenden direkt hinter mir ziemlich schlecht geht. Um 6:45 Uhr landen wir wieder wohlbehalten in Frankfurt. Zum Glück kommt das Gepäck schnell und ich erwische um 7:45 Uhr den ICE nach Köln. Auf der Strecke fängt sich der ICE aber über 30min Verspätung ein. Es reicht gerade noch, um die Regionalbahn nach Gummersbach um 9:25 Uhr zu bekommen. Um 10:30 Uhr bin ich wieder wohlbehalten in Gummersbach und nehme mir ein Taxi nach Hause. Ein anstrengender aber erlebnisreicher, traumhafter und bestimmt unvergesslicher Urlaub ist zu Ende gegangen.