Wildspitze

Meine erste Sektionstour 26.08-30.08.2017

Nachdem ich vor längerer Zeit mit dem DAV-Summit-Club schon den E5 gewandert bin, entschloss ich mich 2017-mal wieder in die Berge zu gehen, aber diesmal vielleicht etwas „höher hinauf“.
Unsere Sektion bot für Ende August eine Wanderung im Ötztal mit Besteigung der Wildspitze an.
Ja, dass sollte es sein für mich.
Die Tour wurde mit dem Schwierigkeitsgrad schwer angegeben. Das war zunächst einmal ok für mich, denn ich suchte ja nach einer neuen Herausforderung. Nach einem ersten Telefonat mit Manfred, welcher diese Tour führen würde, wurde mir klar, dass es vielleicht wirklich schwer werden sollte. Meine bisherigen wenn auch wenigen Bergerfahrungen und meine gute Gesundheit bestärkten mich jedoch diese Tour mitzugehen. Einige Ausrüstungsgegenstände, wie Klettergurt, Steigeisen und Helm habe ich mir nach fachkundiger Beratung durch Manfred vorher noch besorgt, da ich beabsichtige öfters in die Berge zu gehen.

Am Samstag trafen wir uns nachmittags im Landhotel Seeblick in Nassereith um am Sonntag unserem ersten Tourtag möglichst früh in Vent (1895m) unseren Startpunkt zu erreichen. In Vent ging es dann am Sonntag in einer kleinen Gruppe (Manfred, Thi, Peter, Dieter, Christoph und ich) um 13:00 Uhr los. Voller Erwartung legten wir bei schönstem Bergwetter in Vent unsere Rucksäcke an. Dass mein Rucksack viel zu schwer war sollte sich erst später rächen. Die erste Tagesetappe führte uns auf 2413m zum Hochjochhospiz. Diese Etappe war zum warm werden und auch noch nicht wirklich schwer, was sich aber bald ändern sollte. Da wir die Hütte sehr früh erreicht haben, nutzten wir den Nachmittag um mit Manfred ein wenig Knotenkunde zu üben. Hier lernten wir oder frischten unsere Kenntnisse auf. Das Anlegen des Gurtes und das Anseilen, was auf dem Gletscher ganz wichtig ist wurde ebenfalls geübt. Nach einem netten ersten Abend mit der Gruppe auf der Hütte sollte es am Montag bereits über Gletschereis zur höchstgelegenen Alpen-Hütte des DAV gehen.

Das Brandenburger Haus erwartete uns auf 3277m Höhe. Da hatte ich endlich meine gesuchte Herausforderung. Ein toller Anblick, wenn man das Brandenburger Haus in absoluter Einsamkeit zum ersten Mal sehen kann. Das Brandenburger Haus ist nur über den Gletscher erreichbar, also wurden Gurt, Steigeisen und Anseilkarabiner das erste Mal gebraucht. Manfred erklärte noch was alles in der Seilschaft zu beachten ist und los ging es. Noch bevor wir die Hütte erreichten, machten wir noch einige theoretische und praktische Übungen, z. B. Bergen und Sichern einer Person, richtiges Fallen und Sichern im Eis. Manfred war es wichtig, dass jeder die wichtigsten Handgriffe im Notfall beherrscht, denn es ist schnell passiert, dass jemand in eine Gletscherspalte abrutscht.
So erreichten wir nach etwa vier Stunden Gehzeit das Brandenburger Haus. Nach einer kleinen Stärkung entschlossen wir uns noch die paar Höhenmeter auf den Hausberg des Brandenburger Hauses, die Dahmannspitze (3401m) zu gehen. Von hier oben konnten wir einen ersten Blick auf die Wildspitze werfen, ganz schön hoch! Ein wundervolles Panorama bot sich uns, denn wir hatten bisher nur allerbestes Wetter auf unserer Tour. Nach dem kurzen Abstieg ging es wieder zur Hütte, wo schon bald das Abendessen auf uns wartete.
Anders als ich es von den Hütten entlang des E5 kannte herrschte hier oben die absolute Ruhe, keine Hektik, kein Kampf um Schlafplätze oder Essen. Wir haben richtig gut gegessen, was ich in dieser Höhenlage (die Hütte wird nur aus der Luft versorgt) nicht erwartet habe.

In dieser Höhe merkt man schon, dass der Kreislauf mit der dünneren Luft zu kämpfen hat. Ich hatte abends tatsächlich Einschlafprobleme und leichte Kopfschmerzen. Das lag definitiv nicht am Weizenbier! Was einen nicht umbringt macht einen nur noch härter, dachte ich mir.
Am nächsten Tag, dem Dienstag sollte die Tagesetappe zum Fluchtkogel und dann der Abstieg zur Breslauer Hütte führen. Weit über 6 Stunden Gehzeit lagen vor uns. Ein Gletscherübergang bzw. eine Scharte mit anfangs sehr steilem Abstieg im Eis zeigten mir dann auch, warum diese Tour als schwer bezeichnet war. So ein Gefälle im Eis kannte ich bisher nur von Bildern, jetzt musste ich selbst mit Steigeisen diese Passage überwinden. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier Voraussetzung. Manfred ging voraus und gab mir mit seinem Zuspruch die nötige Sicherheit. Ich musste erstmal lernen meinem Material, insbesondere den Steigeisen zu vertrauen, gar nicht so einfach, wenn man in so einem steilen Abschnitt zum ersten Mal geht. Danke Manfred! Danach folgte ein sehr spaltenreicher Gletscher, wo wir viel Zickzack gehen mussten um den Spalten auszuweichen. Hier gingen wir angeseilt und überquerten so mache Gletscherspalte. Auf 2755m legten wir eine kleine Pause in der Vernagt-Hütte ein. Ich war ziemlich geschafft an diesem Tag. Mein Rucksack war eindeutig zu schwer. Zwei, drei Stündchen lagen aber noch vor uns bevor wir die Breslauer Hütte endlich erreichten.
Dort bezogen wir unsere Schlafkammern und trafen uns später zum Essen in der Gaststube.
Am nächsten Tag sollte die Besteigung der Wildspitze folgen. Ich haderte mit mir schon am Vortag auf dem Weg zur Breslauer Hütte ob ich am nächsten Tag mit hinaufgehen sollte. Ich entschied mich am nächsten Tag auf der Hütte zu bleiben und den Tag bei schönstem Wetter auf der 2844m hohen Terrasse der Breslauer Hütte zu verbringen, um zu regenerieren. Ich hielt es für mich für vernünftiger nicht mit aufzusteigen.
Die Gruppe startete ohne mich zur Tour auf die Wildspitze (3770m). Nach einem langen Tag kehrten alle trotz widrigster Umstände wie Steinschlag wohlbehalten zurück. Die Begeisterung war allen anzusehen. Bei schönstem Wetter und endloser Sicht auf dem Gipfel der Wildspitze stehen wird man nicht so oft erleben können.
Nach einer weiteren Übernachtung auf der Breslauer Hütte folgte dann auch der letzte Tag der Tour. Ein 500m-Abstieg und eine Fahrt im Lift brachten uns wieder nach Vent zu unserem Startpunkt.
Mir hat diese Tour extrem gut gefallen, auch wenn ich den Höhepunkt ausgelassen habe. Ich habe jedenfalls viel gelernt, auch was meine eigenen Grenzen angeht. Ich denke für die nächste Tour bin ich besser gewappnet und vorbereitet, insbesondere was den Rucksack betrifft. Mit Manfred als Bergführer und der kleinen Gruppe war es insgesamt ein tolles Erlebnis. Ich hoffe, dass ich 2018 wieder eine Sektionstour mitmachen kann. Es muss auch nicht unbedingt eine schwere sein 😉

Michael Heinrich …