Eisgrundkurs August 2004 - Auf der Tierberglihütte |
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Bericht von Frank Weber
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Freitag 27.08.2004 |
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Und das Wetter: Eben noch Waschküche und nun stahlblauer Himmel und bis weit hinunter frisch eingescheite Berge. Eines meine Bilder führt später zu Hause zur Frage: „Warst Du im Himalaja?“ |
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Wir schultern unsere Siebensachen. Das Warnschild beachtet kaum jemand, |
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die spätere Wirklichkeit jeder. |
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„Allein wäre ich hier niemals hochgegangen“ höre ich sagen und „Ausbildung schon beim Hüttenzustieg.“ Gegen 13 Uhr ist es überstanden: Rucksäcke runter, Schuhe aus und Einweisung vom Hüttenwirt. Der wichtigste Punkt: tags über ist das WC der Hütte gesperrt (Wassermangel). Da ist das Plumpsklo gleich neben der einige hundert Meter senkrecht abfallenden Nordwand des Hüttenplatzes zu besuchen. Doch der Weg da hin ist dick verschneit. Ohne Schuhe heißt das: Einhalten! |
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In zwei Gruppen machen wir uns auf in den alpinen Nachmittag. Fritz sucht das Weite in Richtung Vorderer Tierberg. |
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Beim zweiten Versuch sieht das dann schon sehr viel besser und der Gletscher arg umgepflügt aus. |
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Während die andere Gruppe schon wieder der Hütte zustrebt und uns auch zur Eile ermahnt (um 19:00 Uhr gibt es Essen) stehen und sitzen wir noch im Schnee und theoretisieren an den verzwickten Feinheiten der Spaltenbergung. |
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Samstag 28. 08.2004 |
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Bald erreichen wir den Platz, an dem Fritz gestern Rutsch- und Bremsübungen durchgeführt hat. Und da auch ich weit und breit keine geeignetere Stelle sehe, tun wir es ihm nach. |
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Trotz zugezurrter Regenbekleidung findet genügend Schnee den Weg bis auf die Haut – ein schaurig schönes Gefühl! |
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Die Sicht oben ist berauschend. |
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Beim Abstieg lacht mich schon von weitem der ideale Platz für eine praktischen Spaltenbergung an. |
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Rasch sind zwei T-Anker für die Hintersicherung aufgebaut, Regenzeug und Helm angezogen und die Seilschaft gebildet. Diese Übung lebt natürlich davon, ob und mit welchem Satz der Erste in die Übungsspalte geht. Manche springen so richtig mit Schwung und die Seilschaft landet bäuchlings im Schnee. |
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Jeder übt jede Position in der Seilschaft und mit der Zeit stabilisiert sich die Dauer für eine erfolgreiche Bergung bei ca. 15 Minuten. Für die beiden oben verfliegt diese Zeit, für den Hängekandidaten wird sie zu Ewigkeit. |
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Zurück an der Hütte, die Gruppe vom sonnenüberfluteten Sustenhorn ist schon da, bleibt noch etwas Zeit bis zum Essen. |
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Sonntag 29.08.2004 |
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Sicht und Temperatur nahe Null hält uns hier nicht viel und so sind ein kurzer Schluck aus der Flasche und das Anziehen der Steigeisen für den Abstieg die wesentlichen Pauseninhalte. |
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Ohne dass wir es so richtig gemerkt haben, hat es wohl unter oder neben uns so viel geschneit, dass die im Aufstieg noch etwas unangenehm eisigen Platten, für die wir eigentlich die Steigeisen angezogen haben, inzwischen wieder so gut verschneit sind, dass die Eisen durch das zunehmende Stollen nun doch eher hinderlich als nützlich sind. |
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Das Wetter macht zwar immer mehr zu, es bleibt aber trocken und so ist Gelegenheit an einem mit brauchbaren Haken bestückten Felswändchen gleich neben der Hütte die Münchausentechnik zu üben. Die hilft einem, sich selbst aus einer Gletscherspalte zu befreien, wenn die oben Gebliebenen das nicht hinbringen. |
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Nach dem es das wie immer sehr guten Abendessen aus der Küche bis in die Mägen geschafft hat, gibt es heute einen besonders delikaten Nachtisch. |
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Es ist kurz vor 20 Uhr da kommt statt Verdauungsruhe plötzlich Hektik auf. Schaulustige und Fotografen eilen hinaus. Die tiefstehende Sonne bäumt sich mit einem optisches Flammenmeer vergeblich gegen die Finsternis auf. |
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Montag 30.08.2004 |
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Wir steigen den „Winterweg“ über den Sustengletscher ab. |
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Schussakkord ist der Ausstieg am linken Gletscherrand über schuttbedecktes Toteis. |
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Fritz sichert auch dieses Stück so gut es geht und es geht gut so. |
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Wir takeln ab und werfen noch rasch einen Blick unter den Gletscher. |
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Der kurze Rückweg zu den Autos führt uns an der Stelle vorbei, an der der friedliebenden Schweiz im November 1992 eine militärisches unterirdisches Munitionsdepot um die Ohren geflogen ist. Neun Tote und ein respektabler Bergsturz waren die Folge. |
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