Hätte ich mal nur auf Markus gehört, dann hätte ich mich mit dem Auto nicht in der Schneewehe festgefahren. Aber ist auch egal, wir wollen Eisklettern und schließlich ist es schon halb Zwei. Zeit, um zum Einstieg zu kommen. Das Auto können wir später immer noch freibuddeln. Den kurzen Zustieg zur Kasmarie haben wir schnell hinter uns, danke an die vor uns, die uns eine schöne Spur hinterlassen haben.
Die erste Seillänge ist einfach, zwei Eisschrauben, um es sicher zu machen und Stand gebaut. Markus kommt nach und übernimmt die Führung. Die Eiseskälte in diesem Januar hat das Eis äußerst spröde werden lassen. So ist es kein Wunder, dass ständig Eisbrocken herunter segeln. Nur nicht so genau hinschauen, wie sie segeln, sonst gibt’s einen Eiskuss direkt auf die Backe. Hat schon mal wer gemacht und das sah gar nicht so lustig aus (gel Noppes). Am Beginn des nächsten Aufschwunges hat Markus Stand gemacht und lässt mich nachkommen. In den flacheren Passagen gibt es blasiges Eis, Schneeeinschlüsse welche wieder überfroren sind. Nicht so gut zu sichern aber gut zu steigen.
Die nächste Seillänge steilt sich wieder auf, jetzt wird es interessant. Immer wieder treffe ich auf Röhreneis, welches so hohl ist, dass selbst die Eisgräte keinen Halt finden. Aber taktisch geschickt klettere ich zwischen einer Säule und der daneben liegenden Wand empor. So kann ich manchmal kräftesparend ausspreizen und auch da hochklettern, wo gerade das bessere Eis vorherrscht. Nach der nächsten Seillänge wird es wieder flacher und Schnee liegt auf dem Eis. Gerade als ich den nächsten Stand einrichten will, stoße ich unter dem Schnee nur noch auf Felsen. So’n Mist! In den Felsen finde ich keine geeignete Stelle für einen Haken und der Schnee ist viel zu locker für irgendeine gescheite Sicherung.
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Zustieg
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Mir bleibt nicht anderes übrig, als soweit wieder abzuklettern, bis ich auf eine hinreichend dicke Eisauflage für Eisschrauben treffe.Auf die nächste Seillänge folt noch eine und noch eine. Laut Führer sind es 4 x 50m, also insgesamt eine Höhe von 200 m. Selbst wenn wir nur 40 m Länge pro Seillänge hinter uns gebracht hätten, müssten wir nach 5 Seillängen oben angekommen sein. Aber jetzt klettern wir schon in der siebten Länge und um uns herum wird es dunkel! Markus ist mal wieder nicht kaputt zu kriegen und hat jetzt den Vorstieg übernommen. Ein achtes Mal steigt er jetzt los, mittlerweile ist es stockdunkel. Düstere Ahnungen steigen hoch, sind wir überhaupt in der richtigen Route?
Und wenn nicht, wie ist dann der Abstieg und wird er bei völliger Unkenntiss des Geländes im Dunkeln überhaupt zu finden sein. Markus lässt mich nachkommen und als ich ihn erreiche, lacht er mich spitzbübisch an. Ganz heroisch hat er mich mit Mannsicherung hochgezogen, gut dass ich das nicht gewußt habe. Zum Glück finden wir am Ausstieg eine gute Spur, die uns durch den hüfttiefen Schnee hinunter nach Schneizelreuth führt. Ganz schön müde kommen wir unten an und dackeln zurück zum Auto. Jetzt noch schnell das Auto mit der Lawinenschaufel freigebuddelt und der Heimfahrt steht nicht mehr im Weg. Und das Abenteuer geht weiter, es warten noch viele Eisfälle auf uns. Zumindest, wenn’s nächsten Winter wieder friert.
(Kasmarie bei Schneizelreuth, WI 4+, ca. 350 Klettermeter)
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In der Wand
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