... oder Constanze 11a, Ostern 2009

Autor: Martin Bock
Bildrechte: Martina Rademacher + Fritz Blach

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Nach den letzten Frühlingsausflügen zum Klettern (Marokko, Kroatien), hatten wir uns diesmal für die Costa Blanca in Spanien, in der Nähe von Calpe, entschieden. Es war ein „Geheimtipp“ von Thomas, der fast entsetzt war, dass wir diesen Teil der Erde noch nicht kannten. Wir wollten es nicht auf uns sitzen lassen. Denn es gibt nichts Schlimmeres als nicht mitreden zu können. Daher buchten wir sofort den Flieger, samt Mietautos für 9 Leute.

Leider stelle ich immer wieder fest, dass, je mehr ich mich anstrenge, mein Repertoire an Gebieten zu vervollständigen, desto mehr Felsen ungefragt auftauchen, die ich nicht kenne, geschweige denn auch nur annähernd richtig buchstabieren könnte. Da ich die 50 auch schon überschritten habe, sehe ich keine Chance, diesen Wettlauf zu gewinnen. Was andererseits auch schön ist, da ich nicht immer wieder an dieselben Felsen muss (außer zu Hause).

Aber zurück nach Spanien!

Wir brauchten ja eine Unterkunft. Und was gibt es denn besseres, als eine Ferienwohnung. Man ist ungebunden, braucht auf Etikette keinen Wert zu legen und hat auch all inklusiv, wenn man vorher eingekauft hat. Das Internet hatte eine für uns ideale Wohnung, ach was sage ich, eine Villa (Casa) bereit gestellt. Aussicht aufs Meer und mit Pool und Palmen und was das Herz sonst noch so begehrt. Selbst der Name war schon ein Volltreffer. Es hieß Sonne, Mond und Sterne. Und der Preis war auch ganz ok.

Was uns eigentlich hätte stutzig machen sollen, war die Tatsache, dass Constanze immer wieder bei Fritz anrief, um irgendwelche Details zu klären (habt ihr denn ein paar Fotos von euch?) oder noch Informationen zu geben oder ein zu holen. Aber wir hielten es noch eher für eine Bereicherung und waren ganz gespannt, wie wohl diese Constanze aussehen mag.

Der Tag war da und es ging nach Spanien. Mit den Mietautos ging es dann, dank einer detaillierten Anfahrtsbeschreibung von Constanze, ohne Probleme zur Urbanisation, in der die Casa malerisch lag. Constanze empfing uns sogleich und nach einer 1 stündigen Einführung (wo wir gerade Mal alle zusammen sind kann ich euch ein paar Erklärungen zur Hausbenutzung geben!), konnten wir erst auspacken. Constanze war herzlich und freundlich, aber wir hatten alle ein ungutes Gefühl, ohne es näher beschreiben zu können.

Einige Tage später wussten wir es dann doch genauer. Jeder Gegenstand war abfotografiert und zur Orientierung der Gäste so angebracht, dass man immer wusste, wie man was hin zu stellen hatte (CDs oder Bücher oder Besteck oder Spielzeug oder ….). Es wäre nicht so schlimm gewesen, denn wir hätten uns ja einfach nicht daran halten brauchen. In jedem Kletterer lebt auch ein kleiner Anarchist (was mir vorher noch nie so richtig aufgefallen war), der mit Genugtuung etwas Verbotenes machen möchte. Aber dazu bestand keine Gelegenheit, denn Constanze kontrollierte unser Tun mit Eifer. „ Ich hab euch doch gesagt, dass es einen DIN A4 Ordner in jeder Wohnung gibt, da steht alles drin, wie was zu handhaben ist.“ Selbst die Laternen oder Stromkästen in der näheren Umgebung waren von Constanze mit der Hausnummer 11 a und einem Pfeil gekennzeichnet worden, um den umherirrenden Gästen den Heimweg zu zeigen.

Charlie löste die Probleme mit Constanzes Redeschwall beim gemeinsamen Frühstück, indem er sagte: „Beiß mal in dein Brot.“ Was kurzfristig tatsächlich half. Aber irgendwann ist auch so ein Brot zu Ende gegessen.

Ach ja, wir waren ja des Kletterns wegen gekommen! Um es gleich zu sagen, wir waren tatsächlich auch klettern (trotz der hauseigenen Hausordnung und den damit verbundenen Pflichten, denen wir uns freundlich aber bestimmt immer wieder entzogen). Und zwar so viel, dass wir sogar mal einen Tag Pause machen mussten, weil einfach nichts mehr ging. Der Fels war Klasse und die unterschiedlichen Gebiete ließen kaum Wünsche offen. Die Absicherung war von Gebiet zu Gebiet recht unterschiedlich. Von Top bis rostigen Bohrhaken und von der kurzen Sportkletterroute bis Mehrseillängentouren. Das Wetter hielt sich, obwohl es sonst in Spanien viel in dieser Zeit regnete.

Hier einige Auszüge aus unserem Kampf mit den Widrigkeiten, die ein Leben in der Fremde mit sich bringt:

Fritz bekam Probleme mit seinem Turnschuh, der meiner Meinung nach schon lange die besten Zeiten hinter sich gelassen hatte und nur mit Mühe noch als Turnschuh zu erkennen war. Er drückte auf den kleinen Zeh und zwar so arg, dass Fritz nicht mehr laufen konnte. Meine Bemerkung, dass es nun die Gelegenheit sei, sich von ihm zu trennen, beantwortete er mit erstaunter Miene und den Worten „Mit dem hab ich doch schon soviel erlebt (es folgte eine Aufzählung der Länder) und er ist doch noch völlig ok, ich brauche eine Schere oder ein Messer.“ Gesagt, getan und ein Messer war schnell gefunden und ein Loch in den Schuh geschnitten, der nun dem Zeh wieder Platz gab und tatsächlich noch genauso aussah wie vorher.

Martin, der an den schwierigen Kletterstellen stets zu sagen pflegte: “Ich habe überhaupt keine Idee, das geht doch gar nicht.“ Und dann, wenn es doch ging, meinte: „Eine super Tour, müsst ihr einfach gemacht haben.“

Oder die Erfahrung, dass eine 28 Meter Seillänge angegeben war, die mit einem 60 Meter Seil aber nicht abgeseilt werden konnte, weil dies zu kurz war!! Auch die Erkenntnis, dass ein englischsprachiger Führer mit Phantasie gelesen werden sollte, besonders wenn es um besondere Sicherungssysteme geht, in die man dann einen Stopper (immer mit der gleichen Größe!) unterbringen muss. Gott sei Dank blieb uns diese Art des Sicherns erspart, da wir diese exotischen Touren nicht fanden.

Martina vermisste abends beim Auspacken ihre alte Kamera, die schon so oft mit gewesen ist und die mit 100 Prozentiger Sicherheit am Fels liegen geblieben war. Es war auch noch eine, in die tatsächlich ein richtiger Film eingelegt werden muss, also etwas aus dem letzten Jahrtausend. Doch auch die Bemerkung, dass die Gelegenheit gekommen sei, sich eine Digitale zuzulegen, verhallte in den Weiten Spaniens. Kein Trösten half, was schließlich dazu führte, dass wir noch, alle Verkehrsregeln missachtend, zum Felsen zurückfahren mussten, um diese vor Sonnenuntergang zu suchen. Mit dem letzten Licht erreichten wir die Felsen, aber leider ohne Erfolg. Mit bestürztem Gesicht fuhren wir zurück. Auf einmal heiterten sich die Gesichtszüge bei Martina auf und es stellte sich heraus, dass die ehrwürdige Kamera mit Sicherheit in der Ferienwohnung liegen musste, was sie auch tat.

Der Durchfall, den ein Teil unserer Gruppe nach dem Genuss der Sangria mit Eiswürfeln, in idyllischer Atmosphäre am Hafen genossen, erlitt und der angesichts der defekten Toilettenspülung in der Ferienwohnung Begeisterung hervorrief. Wobei mir wirklich nicht klar ist, ob dies im Zusammenhang stand oder ein Anschlag von Constanze war, weil wir mal wieder etwas nicht ordentlich gemacht hatten.

Resi, die als einzige Nichtkletterin bestimmt gelitten hat, da wir sehr felsorientiert dachten. Die aber nie laut gemeckert hat, verdient besonderes Lob für Ausdauer mit dem Umgang von Felsverrückten.

Letztendlich war es ein gelungener Urlaub mit viel Spaß.