65 km und ca. 1.700 Höhenmeter durch das Hochsauer
Nachdem ich schon seit Längerem in den Alpen, im Sauerland, den Süchtelner Höhen sowie diversen Abraumhalden des Braunkohlentagebaus gefahren war, lag es für mich eigentlich nahe, dass ich die dort gemachten Erfahrungen gern auch einmal im Wettkampf mit anderen erproben wollte. Dazu muss man wissen, dass Mountainbiken auch eine Wettkampfsportart ist, in der es eine ganze Reihe unterschiedlicher Disziplinen gibt. Eine davon, die der sogenannten Cross-Country-Rennen, hat es sogar bis zur Olympiade geschafft. Da mir der Ausdauersport eher liegt und ein Marathon dem Tourenfahren meines Erachtens am ähnlichsten ist, habe ich für mein Debüt den internationalen "Super-Mountainbike-Marathon" in Schmallenberg/Grafschaft im Hochsauerland ausgewählt.
Bereits am Freitagabend hatte ich mir die Unterlagen einschließlich der Startnummer abgeholt und Letztere bereits sorgfältig am Rad angebracht. Gestartet wurde am Samstagmorgen um 9.00 Uhr. Da ich früh genug da war, hatte ich noch ausreichend Zeit, mich ein bisschen einzurollen sowie die "Konkurrenz" zu beobachten. Überall herrschte geschäftiges Treiben. Da wurden die teilweise zum Transport auseinandergenommenen Räder montiert, noch etwas an der Schaltung verstellt oder die Bremsen kontrolliert. Es wurde probiert, diskutiert, massiert oder noch schnell ein Drink gemixt. Gegen 8.40 Uhr rollte ich langsam zum Start. Insgesamt hatten ca. 750 Fahrerinnen und Fahrer gemeldet. Die Startaufstellung erfolgte jeweils in Hunderter-Gruppen. Ganz vorne standen die Profis und die besonders Ambitionierten. Ich stellte mich in die dritte Gruppe. Zur Anwesenheitskontrolle sprühte man uns noch einen grünen Punkt auf die Startnummer. Noch einmal bläute ich mir ein, dass ich unterwegs unbedingt rechtzeitig essen und regelmäßig trinken musste.
Jetzt konnte es losgehen. Mit dem Startschuss setzte sich die Meute schließlich in Bewegung. Zunächst ging es in wilder Fahrt auf der Straße von Grafschaft aus in Richtung Schmallenberg. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man die ganz Straße, die natürlich für den sonstigen Verkehr gesperrt war, für sich allein hat. Trotzdem musste man sehr gut aufpassen, dass man bei dem höllischen Tempo niemandem zu nahe kam oder gar auffuhr. Abstand zu halten war, wenn man einigermaßen zügig vorankommen wollte, nahezu unmöglich. Man musste einfach darauf vertrauen, dass sich alle Fahrerrinnen und Fahrer über die Risiken im Klaren und dementsprechend voll bei der Sache waren. Im Schmallenberger Stadtpark kam direkt das erste Steilstück aufwärts in Richtung Wilzenberg. Bei der späteren Auswertung der in meinem Radcomputer gespeicherten Daten stellte ich fest, dass die Steigung hier bereits ca. 25 % betrug und mein Puls bereits bei 160 lag.
Nach diversem Auf und Ab fuhren wir dann oberhalb von Grafschaft nach Almert und von da aus stetig steigend bis Schanze, einem kleinen Fleckchen mit etwa einem Dutzend Häusern auf ca. 720 m Höhe. Was dann kam, war einfach grandios, die Abfahrt bis zum Schladebach. Anfangs noch asphaltiert, ging die Strecke sehr schnell in einen fein gekiesten Forstweg über. Jetzt war wieder höchste Konzentration angesagt, denn hier konnte man richtig knacken lassen. Wir erreichten Geschwindigkeiten bis zu 55 km/h. Nach anschließendem kurzem Anstieg kamen wir zur ersten Verpflegungsstation. Schnell einen Becher Mineralwasser, eine Banane, einen Müsliriegel, die Trinkflasche wieder aufgefüllt und weiter ging's.
Ohne größere Probleme erreichten wir den nächsten "Gipfel" und dann ging’s wieder abwärts nach Latrop. Von hier aus fuhren wir zum technisch schwierigsten Stück der ganzen Route, einem ausgewaschenen, furchigen und in der Mitte leicht matschigen Waldweg mit einer Steigung von bis zu 30 %. Leider hatte ich zu Beginn die falsche der zwei vorhandenen Spuren gewählt und musste so, da diese plötzlich endete, aus dem Sattel und den Rest schieben. Ein Wiederanfahren ist bei derartigen Steigungen und diesen Bodenverhältnissen einfach unmöglich. Ähnliches passierte mir dann auf dem Weg zum höchsten Punkt, dem großen Kopf (740 m hoch), leider noch einmal. Jetzt hatte sich ein Fahrer vor mir verschaltet, blockierte den engen Weg und ich musste wieder absitzen. Nach einigen mühsamen Versuchen konnte ich auf einem nicht ganz so steilen Stück dann endlich wieder Tritt fassen und weiterfahren.
Von der höchsten Erhebung aus ging es größtenteils abwärts nach Jagdhaus, einem kleinen Örtchen mit zwei Hotels und einigen Häusern. Kurz davor erreichten wir die zweite Verpflegungsstelle. Wieder schnell etwas trinken, ein bisschen essen, die Flasche auffüllen und weiter, hinunter nach Fleckenberg. Nun hatten wir "nur" noch den Aufstieg zur Schmallenberger Höhe vor uns. Irgendwie hatte ich in Erinnerung, dass es sich dabei um eine kleinere Erhebung handelte. Irgendwie hatte ich mich dabei aber gründlich getäuscht. Schließlich ist diese Erhebung doch ca. 690 Meter hoch und Fleckenberg liegt auf ca. 370 Metern. Immer wieder war ich mir sicher, nach der nächsten Kurve muss doch der Gipfel erreicht sein und immer wieder kam noch ein Anstieg und noch eine Kurve. Schließlich hatte ich es dann aber doch geschafft und ab ging es in rasender Fahrt hinunter nach Grafschaft. Dort erreichte ich nach 4 Stunden und 15 Minuten das Ziel.
Alles in allem war das Ganze für mich trotz der nicht unerheblichen Anstrengungen ein tolles und sehr schönes Erlebnis. Deshalb war mir auch sofort klar, dass ich im darauffolgenden Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein wollte.
Fritz Hösel



